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2022 11 08 Punta GoPro 20

Die ersten Wochen in Uruguay

Im Dezember flogen wir nach Uruguay, wo wir seit dem auf unseren Ben warten. Was wir hier in den ersten sechs Wochen erleben durften ist nur schwer in Worte zu fassen und fühlt sich fast an, wie im Film.

Die erste Ferienwohnung in Uruguay – ein Träumchen

Erstmal ankommen. Durchatmen. Eingewöhnen. Das war unsere Vorstellung von unserer ersten Wohnung in der Nähe von Punta del Este – dem wohl bekanntesten und beliebtesten Urlaubsziel in ganz Uruguay. Und genau das konnten wir auf der abgelegenen kleinen Farm etwas außerhalb von Punta del Este machen. Das viele „Nichts“ um uns herum erleichterte uns den Einstieg in die Sprache, die Menschen und in ihre Gepflogenheiten, ohne uns gleich völlig zu überfordern.

Auch Tims Traum, einmal einen Kolibri zu sehen, erfüllte sich hier direkt zu Beginn, denn diese süßen Vögelchen kamen fast täglich bei uns vorbei, um an den großen Blumenbeeten zu frühstücken. Das Fotografieren* der agilen und flinken Kerlchen ist übrigens superschwer.

Wir machten viele Strandspaziergänge am einsamen Sandstrand, liefen zu Fuß zum nächsten Almacen (ein kleiner Laden mit den gängigsten Lebensmitteln und Waren) und sollte es mal ein größerer Einkauf werden oder ein Ausflug fuhren wir nach Maldonado oder Punta del Este. Glücklicherweise haben wir unsere tollen Wanderrucksäcke* dabei, mit denen wir auch das Gewicht größerer Einkäufe locker nach Hause tragen können.

Am Strand trafen wir nicht nur auf Geier und andere Vögel, sondern nach einem Gewittersturm auch auf viele komische Kugeln, die zusammen mit Seegras angespült wurden. Diese Kugeln fühlten sich ein wenig an wie Plastikbälle, deren Inhalt viele kleine Schnecken in einer Flüssigkeit sind. Dies sind die Gelege einer Meeresschnecke, die erstaunlich groß wird, aber normalerweise nur unter Wasser zu finden ist. Nur Stürme sorgen dafür, dass diese gelegentlich angeschwemmt werden.

Eingeschränkte Mobilität ohne Ben

Da Ben die nächsten Wochen bis mindestens Mitte Januar auf dem Schiff sein würde, war unsere Mobilität natürlich etwas eingeschränkt. Einen Mietwagen wollten wir nicht, denn dieser wäre unverschämt teuer gewesen und da auch die Lebensmittelpreise in Uruguay in den Läden deutlich über deutschem Niveau lagen, verzichteten wir darauf. Stattdessen setzten wir auf die Fortbewegung zu Fuß, per Bus oder Anhalter.

Zu Fuß war es für uns nicht immer ganz so einfach, denn zumindest in dieser Gegend gab es keine Fußgängerwege und wenn nicht gerade ein Grünstreifen vorhanden war, auf dem man gehen konnte, ging man eben auf der Straße.

Das Fahren per Bus ist in Uruguay günstig und gut. Es gibt viele Busverbindungen. Busfahrpläne wie wir sie kennen gibt es hier aber nicht wirklich und wenn, dann halten sich die Busse nicht daran. Mann kann online schauen oder erfragen, welche Linie wohin fährt. Und irgendwann kommt dieser Bus auch, aber an Pünktlichkeit darf man hier nicht denken. Damit nimmt es in Uruguay eben keiner so ganz genau.

Wenn unsere Geduld sich dem Ende neigte (weil der Bus eben nach 20 Minuten noch nicht da war) oder wir ohnehin nur zu zweit unterwegs waren, fuhren wir auch sehr gerne per Anhalter. Das klappte bisher hier in Uruguay nicht nur extrem gut, sondern bescherte uns auch viele herzerwärmende Kontakte. Wenn wir erzählten, dass wir uns ganz Südamerika anschauen wollten, waren alle sofort Feuer und Flamme und im Gegenzug zu unserer Geschichte bekamen wir viele Infos über Sehenswürdigkeiten oder lokale Besonderheiten. Einmal wurde uns sogar angeboten, statt in eine Ferienwohnung in das Haus unserer Mitfahrgelegenheit einzuziehen. Man stelle sich das in Deutschland einmal vor: man gabelt zwei Ausländer auf der Straße auf, nimmt sie ein Stück mit und bietet ihnen dann an, im eigenen Haus zu wohnen, während man selbst woanders unterwegs ist.

Punta del Este

Wie bereits gesagt, ist Punta del Este DAS Ziel in Uruguay. Hier treffen sich die Reichen und Schönen zum Schaulaufen am Strand (ja es ist wirklich so, dass man fast nur wirklich hübsche Frauen am Strand trifft und die „fette Autos-Dichte“ auf den Parkplätzen extrem hoch ist.

Ein Ausflug hierher lohnt sich in jedem Fall, denn am Hafen kann man neben vielen teuren Booten auch die Seelöwen bestaunen, die es hier in diesen Gewässern gibt. Die lokalen Fischer werfen morgens ihre Reste ins Wasser und ein paar schlaue Exemplare sind eben immer hier, wo sie quasi ihr „Fastfood“ bekommen. Sie sind an die Menschen gewöhnt und kümmern sich nicht um sie – im Gegenteil, sie sind ziemlich zahm geworden mit den Jahren. Trotzdem sind sie nicht gefangen und könnten, wenn sie wollten, woanders hin.

Trotz seiner Berühmtheit ist Punta del Este im Großen und Ganzen ein noch ein recht beschaulicher Ferienort ohne Stress und Hektik auf den Straßen oder Fußwegen. Es gibt tolle Strände in Punta del Este und wenn man möchte kann man hier auch Surfen lernen. Eric, Ronja und Tim haben dies natürlich auch mal angeschnuppert.

Wir bekommen Besuch in unserer zweiten Ferienwohnung

Vom abgelegenen aber noblen Bauernhof ging es dann in eine beschauliche bürgerliche Wohnung mitten in Balneario Buenos Aires. Dies ist auf der anderen Seite von Punta del Este gelegen, immernoch im „Feriengebiet“ aber trotzdem näher an der hiesigen Bevölkerung. Hier fühlte sich alles ein wenig echter an. Ehrlicher. Nicht so hochpoliert und in einem Dorf, in dem nicht nur Touristen leben.

Hier bekamen wir Besuch von unserem Freund Manuel, der über Weihnachten eine Woche Urlaub bei uns machte. Auch hier waren Spaziergänge zum fast leeren Strand, Ausflüge nach Punta del Este und José Ignacio auf dem Tagesprogramm. José Ignacio – so lernten wir schnell – ist nochmal nobler als Punta del Este. Hier war die „fette Autos-Dichte“ noch viel höher und das Schaulaufen am Strand omnipräsent.

Weihnachten in Uruguay

Christliche Feiertage wurden in Uruguay übrigens aus dem staatlichen Kalender gestrichen bzw. einfach umbenannt. Das sollte der bunten Bevölkerung, bestehend aus einem großen Teil Atheisten und Gemsichtgläubigen, ermöglichen, gemeinsam unter einem Nenner zu feiern.

Weihnachten wurde zum Tag der Familie. Heilige drei Könige zum Tag der Kinder, etc. Gefeiert wird hier der Tag der Familie traditionell fett. Mit Asado (Gegrilltem) und Feuerwerk. Wir finden die Idee gar nicht so schlecht.

Wir ziehen weiter – auf einen kleinen Reiterhof

Nach der gemeinsamen Woche mit Manuel ging es für ihn wieder nach Hause und für uns in die nächste Ferienwohnung. Diesmal auf einen Reiterhof in den Außenbezirken Montevideos. Jetzt waren wir wirklich nicht mehr in den Ferienorten, sondern direkt bei der einheimischen Bevölkerung. Das spürte man nicht nur am Preisgefüge, sondern auch an den Menschen und deren Autos. Die teuren Autos waren nahezu weg und gegen alte klappernde Schrottkisten ausgetauscht.

Trotzdem waren die Menschen nicht weniger herzlich zu uns und die beiden Besitzer des Reiterhofs taten alles in ihrer Macht stehende, damit wir uns wohl fühlten. Aber man wies uns auch auf die Gefahr hin, die es hier in diesen Teilen der Stadt gibt. Hier ist nicht mehr alles Kameraüberwacht und es gibt einige Drogenabhängige, die auch nicht davor zurückschrecken, sich mit Gewalt etwas Geld dazuzuverdienen. Teure Uhren, Sonnenbrillen oder Schuhe sollten wir hier beim spazieren gehen lieber in der Wohnung lassen, so wären wir auch weiterhin sicher unterwegs.

Verrückte Zufälle – Freunde finden in Uruguay

Auf dem Reiterhof lernten wir auch Marco und seine Tochter Ima kennen. Marco, ein dürrer Mann mit Dreadlocks und Vollbart, alten abgenutzten Klamotten und Schweizer Dialekt, stand mit seinem Auto aus Costa Rica dort auf dem Hof. Klar kommt man ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass das, was auf den ersten Blick nach einem mittellosen Bettler aussieht ein sehr intelligenter und angenehmer Weggefährte ist – mit vielen Jahren Reiseerfahrung und der wohl verrücktesten Lebensgeschichte, die wir je gehört haben. Unzählige Stunden lauschten wir seiner verrückten Geschichte, die wohl ein eigenes Buch wert ist.

Heute lebt Marco die meiste Zeit in Buenos Aires, zieht aber immer wieder durch die Welt, um Dinge für seine Marktstände in vielen verschiedenen Ländern zu kaufen und auf den Wochenmärkten zu verkaufen. Das Schicksal brachte uns zusammen, denn er versorgte uns mit vielen wichtigen Informationen für Südamerika und unseren Start hier und im Gegenzug dazu passten wir auf seine Tochter auf, während er in Montevideo Markt hielt. Tim und Ima waren im gleichen Alter und verstanden sich super und so hatten wir alle eine wunderbare Zeit zusammen, von der jeder einzelne profitierte.

Die Zeit auf dem Reiterhof verbrachten wir zum großen Teil zusammen und auch nach unserem Umzug nach Montevideo blieben unsere Wege für zwei Tage fest verbunden, bevor die beiden nach Europa in den Urlaub flogen.

Montevideo – die für uns schönste Hauptstadt der Welt

Nach unserem Umzug nach Montevideo stellten wir fest: wir lieben diese Stadt. Marco führte uns ein wenig herum, zeigte uns „sein“ Montevideo, führte uns in die Wochenmärkte ein und ein paar landestypische Eigenheiten. Auch unseren ersten Mate-Tee, der in Uruguay allgegenwärtig ist, tranken wir mit Marco.

Diese Stadt ist unbeschreiblich. Sie ist die Landeshauptstadt und doch irgendwie beschaulich, gänzlich ohne große Hektik, mit wenig Verkehr und selbst im Stadtzentrum findet man problemlos noch einen Parkplatz. Die Menschen sind höflich und nett, die Uferpromenade atemberaubend schön und überall in der Stadt sind Parkanlagen, Sportparks und Skateparks verteilt. Viele Bäume säumen die Straßen und bei uns um die Ecke ist jeden Tag ein kleiner Rummel.

Wir verabschiedeten Marco und Ima letzte Woche am Montagabend. Mit vielen Insiderinformationen, neuen und hilfreichen Kontakten und einem guten Freund mehr in der Welt warten wir nun die letzten Tage, bis unser Ben da ist und es endlich wieder richtig weitergehen kann.

Und zum Abschluss ein kleines Quiz: was kannst du hier hören? Schreib uns in die Kommentare, was du vermutest.

6 Gedanken zu „Die ersten Wochen in Uruguay“

  1. Also ihr lieben, legt euch mal ins Zeug. Bisher hat noch niemand das Rätsel gelöst.
    Ein Tipp: auf unserem Stellplatz außerhalb von Montevideo haben wir das Geräusch auch mehrfach gehört 🙂

    Liebe Grüße
    Christa

  2. gerne lesen wir eure Berichte und die Bilder und Videos sind beeindruckend. Wir drücken euch alle Daumen, dass Ben bald ankommt und ihr alle gesund und glücklich bleibt.
    Renate und Werner

    1. Danke ihr zwei,
      Ben ist da und mittlerweile haben wir uns wieder gut eingelebt. Auch wenn zwischen Abgabe am Hamburger Hafen und Entgegennahme am Hafen in Montevideo einige Dinge aus unserem Wohnmobil verschwunden sind. Aber dazu gibt es bald einen eigenen Bericht.

      Lieben Gruß
      Christa

  3. Hallo Weltenbummler
    Das liest sich sehr gut und es macht einfach Spaß das es es euch so gut geht und es bringt eine Menge Sonne 🌞 in unseren Alltag… freue mich auf die nächsten Berichte…

  4. Ihr habt es wirklich schön getroffen, eure Beschreibungen,Erzählungen ,Foto und Filmdokumentation haben uns teilhaben lassen. Geräuschquiz: Seelöwen. Weiterhin alles Gute für euch.
    Liebe Grüße
    Mama und Bernd

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