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2023 12 16 Carretera Austral 101

Patagonien – Farbenfrohe Landschaften im Süden

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Patagonien. So nennt sich der südliche Zipfel Südamerikas. Ein Land geschaffen aus Feuer, Eis und Wasser. Für viele ein Sehnsuchtsort, ein Wanderparadies oder aber eine vom Wind gepeitschte Hölle. Entdecke mit uns die kontrastreichen Landschaften, die dort warten.

Patagonien – Aufbruch in den Süden Südamerikas

Nachdem wir die Wale, Seeelefanten und Pinguine an der Küste Argentiniens hinter uns ließen, sollte es für uns erstmal westwärts gehen. Gleich nachdem wir die Küste verlassen hatten, waren wir inmitten der schier endlosen Pampa unterwegs. Nichts als flache Ebene und trockene Sträucher voller Dornen. Nach vielen Stunden Fahrt in der Einöde änderte sich die Landschaft aber. Es wurde abwechslungsreicher und wirklich hübsche Felsmassive tauchten an unserer Seite auf – ebenso wie Dinosaurier.

Piedra Parada – das argentinische Klettermekka

Vorläufiges Ziel der Reise durch die Pampa war das kleine Dörfchen Piedra Parada. Es hat einen Namen dem riesigen Monolithen zu verdanken, der inmitten der Ebene eines weitläufigen ehemaligen riesigen Vulkankraters steht. An ihm und an den Felsen des nahegelegenen Canyons, der Kraterwand, kann man angeblich hervorragend klettern. Und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

So langsam zieht auch der Frühling in Patagonien ein, die Temperaturen zeigen sich mild und angenehm, die Bäume schlagen aus und tragen zartes Grün an den Ästen. Es ist die perfekte Jahreszeit. Wir finden uns auf einem Campingplatz in der Nähe des Canyons ein. Bei einem ersten Spaziergang erkunden wir die Umgebung und den “Kletter-Canyon”. Hier sehen wir neben Schlangen auch unsere ersten Kondore kreisen. Ein toller Moment für uns.

Im Canyon sind Kletterer zugange und machen Lust auf mehr. Bei einer Unterhaltung bekommen wir von einem netten Argentinier aus Trelew gleich den elektronischen Kletterguide auf unser Handy übertragen und Tipps für gute Routen. Für uns heißt das, Kletterschuhe an und los gehts.

Mit Freunden in die Berge Patagoniens

Nach ein paar Tagen stoßen unsere Freunde Bruno und Renate von pepamobil.ch wieder zu uns. Ihr erinnert euch, wir haben mit ihnen auch in Paraguay unsere Fahrzeuge lackieren lassen. Wir bleiben noch zwei Nächte in Piedra Parada, bevor wir gemeinsam mit Ihnen zur Andenkette weiterziehen. Endlich ist es wieder grün und bergig um uns.

Wir machen Rast an einem See in der Nähe von Esquel, packen den Grill aus und lassen es uns gutgehen, als ein Mann mit einem Auto angebraust kommt, hastig aussteigt und uns etwas auf den Tisch stellt. “Ich habe keine Zeit, aber ich wohne auf der anderen Seite und habe euch gesehen. Hier ist ein Kuchen. Leider muss ich gleich weiter. Lasst es euch schmecken.” Mit diesen Worten verschwindet er wieder und lässt uns ein wenig sprachlos stehen. Tja, so sind die Argentinier eben.

Beim Grenzübergang nach Chile wird unser Wohnmobil genau inspiziert, damit wir ja keine verbotenen Sachen einführen. Sogar in Erics Brillenetui auf dem Bett wird ein Blick geworfen. Alles verläuft aber superfreundlich und kurz nach Futaleufú machen wir auf dem Kiesbett eines Flusses Halt.

Die Carretera Austral – die schönste Fernstraße der Welt

Futaleufú gefällt uns auf Anhieb. Das kleine Städtchen ist für seine Angebote zum Raften weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Auch wir wollen hier raften gehen, aber noch ist es recht früh im Jahr und damit relativ kühl. Wir beschließen, das im Sommer nachzuholen, wenn Wasser und Luft wärmer sind.

Die Carretera Austral gilt als eine der schönsten Fernstraßen der Welt und wir können das schon nach kurzer Zeit auf dieser berühmten Straße in Patagonien bestätigen. Der Frühling beginnt gerade, und man merkt richtig, wie das Leben links und rechts der Straße erwacht. Außerdem sehen wir unzählige Wasserfälle, gespeist vom Schnee der Berggipfel. Überall plätschert es, überall erheben sich mächtige, in Schnee gehüllte Granitberge in den Himmel. Ein “Wow” jagt das nächste. Da kann man mal über die größtenteils doch ziemlich staubige und mit Schlaglöchern übersäten Pisten- und Straßenverhältnisse hinwegsehen. Aber daran wird gearbeitet, viele Teile der Strecke sind mittlerweile asphaltiert.

Nach einiger Zeit kommen wir an einem Fjord vorbei. Zuerst halten wir es für eine Täuschung, aber sie sind tatsächlich da. Delfine begleiten uns ein Stück, während wir zwischen Fjord und kaltem Regenwald entlang fahren. Die Natur ist hier gigantisch und atemberaubend schön. Durch den kalten Regenwald geht es dann in den Schnee auf einem Pass. Einige Tage verbringen wir hier auf und an dieser Straße bevor wir entlang des Ufers des riesigen Lago General Carrera/Lago Argentino wieder nach Argentinien einreisen.

Im Lago General Carrera liegen auch die berühmten Marmohöhlen. Aber auch die wollen wir uns ebenfalls erst auf dem Rückweg anschauen, wenn es wärmer ist und das Wetter beständiger. Noch ist es recht kühl und der patagonische Wind hilft nicht unbedingt, dass einem so richtig warm wird. Wir sind doch mittlerweile recht weit im Süden und froh um unsere dicken Jacken.

Der Perito Moreno Gletscher

In Argentinien empfängt uns dann wieder die Pampa mit all ihre Langweiligkeit. Naja, nicht ganz, denn ein paar bunte Erdhügel bei der Stadt Perito Moreno schafften etwas Abwechslung. Der patagonische Wind hatte allerdings seinem Namen alle Ehre gemacht. Mal schiebt er unseren Ben, dass wir ohne viel Gas zu geben fast 100 fahren können und nach der nächsten Kurve kommt er von vorn und Ben schafft es mit Vollgas nicht über 40 km/h. Im Wohnmobil wird man fast Seekrank, so schwankt unser Fahrzeug. Das war letztendlich auch der Grund, warum wir uns so beeilt haben, bis nach El Calafate zu kommen.

Ankunft in El Calafate

Nachdem wir das patagonische Flachland wieder hinter uns lassen und durch El Calafate fahren, wandelt sich die Landschaft wieder. Am Rand der Andenkette ist es wieder grün und der Lago Argentino eisblau. Wir schauen uns kurz in El Calafate um und übernachten außerhalb kurz vor dem Nationalpark Los Glaciares. So sind wir am nächsten Morgen schnell im Park und am berühmten Gletscher.

Lebhafter Gletscher

Am Morgen wollen wir in den Nationalpark und fahren die lange Straße bis zum Parkplatz in der Nähe des Gletschers. Noch ist überhaupt nichts los und wir bewundern diesen riesigen Auslassgletscher, dessen Kalbungsfront sagenhafte 4,5 km lang und bis zu 77 Meter hoch ist. Immer wieder staut der Gletscher einen Seitenarm des Sees auf, um irgendwann wieder mit ordentlich Getöse den Durchgang freizugeben. Dies passiert etwa alle 2-4 Jahre. Als wir ankommen, ist der Durchgang zum Seitenarm frei.

Da wenig Besucher zu dieser Uhrzeit hier sind, hören wir es ordentlich knacken und krachen. Der Gletscher schiebt sich etwa 2 Meter pro Tag nach vorne, was man deutlich hören kann. Es bröseln immer wieder größere und kleinere Stücke von der Gletscherfront und stürzen mit Getöse ins Wasser. Wie laut diese “kleinen” Brocken alleine schon sind… Wer genügend Ausdauer bei der Beobachtung hat kann, wie wir, sogar einen großen Kalbungsvorgang miterleben. Dann bricht ein großes Stück der Front ab und löst eine ordentliche Welle aus. In unserem Youtube-Video kann man das ganz gut sehen.

Der Nationalpark Los Glaciares

Der Perito Moreno Gletscher ist aber nicht alles. Der umliegende Nationalpark ist ebenfalls sehr sehenswert und im Gegensatz zu dem Touristenaufkommen direkt am Gletscher – zumindest im kühlen Frühling – sehr ruhig. Auf der anderen Seite des Sees wird, in typisch argentinischer Manier, kein Eintritt verlangt. Das gilt für die meisten Nationalparks Patagonien auf argentinischer Seite. Es gibt sogar einen extra für Reisemobile bereitgestellten kostenfreien Stellplatz im Nationalpark. Feuer machen ist im Nationalpark aufgrund der Brandgefahr durch den Wind verboten. Da man aber dem Argentinier sein Asado nicht verwehren kann, gibt es natürlich windgeschützte Grillstellen mit extra großen Wasserbottischen zum Löschen der Glut.

Die Sonne macht richtig warm und wir gehen im Nationalpark auch gleich ein bisschen spazieren. Überall um uns blüht es und Kondore ziehen über unsere Köpfe hinweg. Es ist einfach herrlich. Bevor wir dann weiter fahren prüfen wir nochmal alle Schrauben an unserem Ben, denn wir sind viele Pisten gefahren und da rüttelt sich schnell mal was lose. Für die Rangerin war das kein Problem, sie fragt stattdessen, ob wir noch weiteres Werkzeug bräuchten.

Torres del Peine Massiv

Nach El Calafate geht es größtenteils über die Ruta 40 weiter zum Torres del Peine Massiv. Es ist gruselig, denn neben der Straße befinden sich überall Zäune und darin hängen hunderte Guanakos in allen Verwesungsspuren. Die armen Tiere. Offenbar bleiben alte oder schwachen Tiere beim Versuch über die Zäune zu springen darin hängen und verenden jämmerlich.

Anders als geplant

Der ursprüngliche Plan war es, dort den W-Track zu gehen. Aber nicht nur die Abwicklung und die Preise lassen uns hadern, sondern auch das Wetter. Für die nächsten Tage ist hier einfach immer viel Wind und Regen gemeldet. Die 3 Tage Wanderung würden uns, wenn wir unser eigenes Zelt und Essen mitnehmen trotzdem rund 1.000 Euro kosten. Die Campingplätze, auf denen man sein Zelt aufschlagen will, müssen vorgebucht werden und sind nicht stornierbar. Uns war das zu heikel, weil wenn es nur regnet und stürmt macht eine Wanderung einfach keinen Spaß. Also wollten wir vielleicht eine Tagestour machen, wenn es das Wetter zulassen sollte.

Am Abend kommen wir am Nationalpark an. Es ist trübe, windig, kalt und regnerisch. An der Pforte fragen wir, ob wir einfach hier am Eingang übernachten dürfen und dann morgen entscheiden dürfen, ob wir im Nationalpark wandern oder nicht. Nein, das ist natürlich nur möglich, wenn wir den Eintritt (der immer für drei Tage gilt) in höhe von 34 Dollar pro Person bezahlen. Das ist uns irgendwie zu teuer für ein “Vielleicht”, denn immerhin sind wir 5 Personen.

Wir fahren wieder weg und wollen uns ein anderes Plätzchen zum Übernachten außerhalb des Nationalparks suchen. Immerhin klart es am Abend ein wenig auf und wir können trotzdem einen Blick auf die berühmten Granitspitzen werfen. Einen Schlafplatz finden wir allerdings nicht, denn ein Mann mit seiner Familie verfolgt uns permanent, um uns zu sagen, dass wir hier nicht übernachten dürfen. Dann sollte es halt nicht sein.

Ab nach Feuerland

Nachdem wir das Torres del Peine Massiv verlassen haben, geht es für uns weiter in Richtung Feuerland. Zwischenstopp machen wir in Punta Arenas. Dort gibt es eine riesige Freihandelszone, wo wir erstmal ausgiebig shoppen gehen. Dann geht es weiter bis zur Fähre, mit der wir auf die größte Insel Patagoniens übersetzen wollen.

Feuerland hat ebenfalls viel Pampa und auch hier finden wir viele Guanakos auf den weiten Grasflächen. Wir passieren abermals die chilenisch/argentinische Grenze und sind auch bald wieder an den Bergen angekommen.

4 Jahreszeiten an einem Tag

Von Feuerland behauptet man, man habe im Sommer alle vier Jahreszeiten an einem Tag. Und so kam es uns auch vor. Ist die Sonne da, ist es jetzt im Frühsommer schon wunderbar warm. Aber Schneestürme und eiskalte Winde bleiben deshalb noch lange nicht aus. Im Gegenteil, eigentlich sind sie an der Tagesordnung.

Feuerland begrüßt uns also mit all seiner Wildheit, seiner unbändigen Natur und seiner wunderbar rauen aber faszinierenden Seite. Und wir sind schockverliebt.

Ushuaia – die südlichste Stadt der Welt

Nach ein paar Tagen in der Natur Feuerlands fahren wir nach Ushuaia. Die Hafenstadt am Beagle-Kanal ist die südlichste Stadt der Welt. Nur das chilenische Dorf Puerto Williams liegt noch südlicher. Wir schauen uns die Stadt an und besuchen das Marine- und Gefängnismuseum. Noch sind wir nicht in der Hauptsaison, aber es ist trotzdem schon einiges los in dem kleinen Städtchen, weshalb wir recht bald in den angrenzenden Nationalpark fliehen.

Nationalpark Tierra del Fuego

Im Nationalpark Tierra del Fuego erwartet uns wieder eine grandiose Natur und der südlichste Punkt, den man mit dem Auto erreichen kann – das Ende der Ruta 3. Ab hier geht es nur noch mit dem Boot weiter in den Süden. Wir sind am Ende der Welt angekommen. Erst kurz vorher haben wir entschieden, dass dies gar nicht wie gedacht der südlichste Punkt unserer Reise wird, denn wir haben kürzlich eine Expeditionsreise in die Antarktis gebucht.

Neben Wanderungen durch den Nationalpark besuchen wir natürlich auch das südlichste Postamt der Welt, sehen viele Wildpferde, bewundern die vielen Buchten, Fjorde und Moore.

Wieder in den Norden

Nach unserem Ausflug in die Antarktis geht es für uns wieder in den Norden. Mittlerweile ist es noch ein kleines bisschen wärmer geworden, trotzdem sind Schnee und kalter Wind keine Seltenheit. Wir bleiben noch kurz auf Feuerland und feiern dort auch Tims Geburtstag, bevor wir die Insel wieder mit der Fähre verlassen. Es wird stetig wärmer und wir freuen uns schon darauf, bald in El Chaltén zu sein, um dort wandern zu gehen.

El Chaltén – Wanderparadies am Fitz Roy

Wir verlassen Feuerland und fahren wieder nach Norden. Wieder durch die eintönige Pampa bis wir wieder die Berge erreichen. Diesmal steuern wir auf einen sehr bekannten Berg zu – den Fitz Roy. Für uns ist dieses Felsmassiv, wie auch das Torres del Peine Massiv, ein wichtiger Punkt der Reise. Man kennt diese Berge aus vielen Bersgsteiger- und Naturdokumentationen und weiß, oft sind sie wolkenverhangen, das Wetter unberechenbar aber trotzdem wunderschön.

Schon bei der Anreise ist vieles anders als bei den Torres del Peine in Chile. Wir parken kurz vor El Chaltén neben einigen anderen Overlandern. Am Fitz Roy und am Cerro Torre hängen ein paar Wolken. Am Abend klart es aber auf und von da an sollen wir ihn täglich unter dem blauen Himmel stehen sehen. Ein Traum.

Im Touristenzentrum der kleinen zauberhaften Stadt erklärt man uns, dass wir selbstverständlich kostenfrei dort parken können und dass es in der Stadt einen weiteren kostenfreien Stellplatz gibt, der sogar Strom und Wasser hat. Außerdem zeigt man uns die verschiedenen Wandermöglichkeiten. Alle Mehrtageswanderungen bieten die Möglichkeit, auf den eingezeichneten Campingplätzen kostenfrei und ohne Voranmeldung zu übernachten. Außerhalb ist dies allerdings nicht gestattet.

El Chaltén selbst ist ein schnuckliges kleines Touristenstädtchen mit einigen Restaurants, Cafés und Verleihmöglichkeiten für Wanderausrüstung. Die Ureinwohner hier nannten den Berg ursprünglich Chaltén, was “der Rauchende” bedeutet. Das kommt daher, dass an der Spizte des Fitz Roy oft Wolken hängen. Heute trägt der Ort diesen Namen weiter.

Wunderbare Wanderungen im patagonischen Frühsommer

Wenn man in El Chaltén eins gut machen kann, dann ist das wandern. Und das lassen wir uns natürlich auch nicht entgehen. Wir packen die Wanderrucksäcke, schnüren die Schuhe und los geht´s. Endlich, darauf freuen wir uns schon so lange. Ausgesucht haben wir uns eine einfache 3-Tages-Wanderung zu verschiedenen Lagunen und dem Fitz Roy Basecamp.

Der Anstieg ist moderat und gut machbar. Immer wieder bleiben wir stehen und staunen. Aber nicht allzu lange, denn womit wir nicht gerechnet hatten waren die vielen Moskitos. Leider haben wir das Moskitospray unten am Wohnmobil vergessen. Eine Wanderin hat erbarmen und leiht uns ihr Moskitospray. Langsam verschwindet der Fitz Roy aus dem Sichtfeld, aber der Cerro Torre ist dafür deutlich besser zu sehen.

Wandern, Camping, Lagunen und bestes Wetter

Wir laufen bis zur Laguna Torre, wo das Camping D’Agostini liegt, bauen die Zelte auf und besichtigen die mit großen Eisschollen gespickte Lagune.

Weiter zum Fitz Roy Basecamp und zurück nach El Chaltén

Nach einer kühlen Nacht genießen wir unser Frühstück in der Morgensonne und wandern weiter. Es geht abermals durch wunderbare und sehr abwechslungsreiche Landschaften und immer wieder gibt der Wald den Blick auf den Cerro Torre oder den Fitz Roy frei. Wir gehen durch grüne Wälder, vorbei an glasklaren Bächen und Lagunen und landen schließlich am Basecamp des Fitz Roy.

Weil wir aber doch recht gut in der Zeit lagen und der Weg hierher nicht wirklich anstrengend war, beschließen wir nach der Mittagspause gleich zurück nach El Chaltén zu gehen.

Ein absolutes Highlight: Der Perito Moreno Nationalpark

Nachdem wir El Chaltén verlassen haben, ging es für uns weiter zum Perito Moreno Nationalpark. Dieser liegt sehr weit abseits und die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug ist deshalb lang. Mehr als 300 Kilometer sind es bis zur nächsten Stadt und auch zur nächsten Tankstelle. Das muss bedacht werden, denn die Ranger berichten, dass es einige Fälle gab, wo Besuchern tatsächlich der Sprit ausgegangen ist.

Am Besten meldet man sich vor Ankunft an und bucht auch schon für die Wanderungen die Übernachtungsmöglichkeiten. Es geht meistens aber auch direkt vor Ort, da selten wirklich alles ausgebucht ist.

Wir dürfen auf den Parkplätzen gerne in unserem Wohnmobil schlafen, was wir auch in der ersten Nacht machen. Aber es gibt an vielen verschiedenen Punkten im Park auch kostenfreie Refugios und Zeltplätze, in die man sich einquartieren kann. Für die Leute, die mit einem PKW anreisen gibt es sogar Refugios ganz nah am Parkplatz, so dass man am Abend der Anreise gar nicht weit mit seinem Gepäck laufen muss.

Wanderung durch die wilde Natur in Patagonien

Es ist Sommer. Doch in Patagonien heißt das, wie wir bereits gelernt haben, gar nichts. Wir planen eine Zwei-Tages-Wanderung im Nationalpark. Ein heftiger Wind zieht durchs Land als wir mit unseren Rucksäcken losziehen und wir sind um unsere “Antarktisjacken” froh, denn die wehren die Kälte gut ab.

Der Weg ist sehr ursprünglich und wunderschön. Außerdem begegnen wir neben einer Hand voll Guanakos und einigen Vögeln nur einer Person auf dem 12 KM langen weg zum Refugio in dem wir uns eingebucht haben.

Als der Wind nachlässt, wird es wärmer. Uns kommt das sehr gelegen, denn auf dem Weg zum Refugio bekommen wir erstmals bei einer Flussüberquerung nasse Füße.

Nasse Füße und ein Dach über dem Kopf

Wir richten uns in den Zeltkuppeln häuslich ein, übernachten, bevor es am nächsten Morgen weiter geht. Ziel ist eine Lagune in den Bergen. Um aber dorthin zu kommen, müssen wir einen richtigen Fluss durchqueren. Dieser wird von Gletscherwasser gespeist und ist eiskalt. Zwischenzeitlich fragen wir uns, was zur Hölle wir da eigentlich tun, denn die Füße scheinen fast abzufrieren.

Aber es hat sich gelohnt, denn die Lagune ist hübsch anzusehen und der restliche Weg dahin ein Kinderspiel.

Am Nachmittag essen wir noch schnell etwas und gehen wieder zurück zu Ben, schlafen eine letzte Nacht in diesem traumhaft schönen Nationalpark und ziehen dann weiter in Richtung Norden.

Die Marmorhöhlen im Lago General Carrera

Vom Perito Moreno Nationalpark fahren wir wieder bis zum Lago Buenos Aires / Lago General Carrera, dem zweitgrößten See Südamerikas. Hier kamen wir bereits im Frühling vorbei, aber jetzt ist das Wetter deutlich besser und wärmer und deshalb schauen wir uns jetzt erst einmal die berühmten Marmorhöhlen an.

Von Puerto Rio Tranquilo fahren wir mit dem Boot zu den Höhlen und lassen uns begeistern vom sommerlichen Farbenschauspiel und den tollen Formationen der Marmorfelsen. Dieses einzigartige Naturphänomen auf der chilenischen Seite des Sees entstand vor über 6000 Jahre durch Erosion.

Die Wege fordern ihren Tribut

Die sommerliche Umgebung gefällt uns richtig gut. Überall blühen die Lupinen und die Sonne scheint vom blauen Himmel. Aber wie das oft so ist – alles hat seinen Preis. Während wir wieder auf der Carretera Austral unterwegs sind, gehen verschiedene Teile unseres Wohnmobils in die Brüche. Auch wenn das bei den vielen Schotterpisten und Schlaglöchern keinen wundert – es ist immer doof, wenn sowas passiert.

Zuerst reist unsere Tankhalterung ab, die wir mit Hilfe von tatkräftigen Motorradreisenden auch Brasilien wieder fixen und den Tank auch an Ort und Stelle zurückbekommen. Später lässt sich Ben nicht mehr richtig schalten, die Kabine lässt sich nicht öffnen und unser Auspuff ist auch abgerissen. Glücklicherweise finden wir aber eine kompetente Werkstatt. Bald ist die Ursache der Kettenreaktion gefunden (Motorhalterung abgerissen), behoben und es kann weiter gehen. Wir sind abermals von der Unkompliziertheit hier begeistert.

Kalter Regenwald, Lupinen, Wasser und Rafting

Auf der Carretera Austral kommen wir durch kalten Regenwald und weil das Wetter schön ist, wagen wir hier auch eine kleine Wanderung durch den sumpfigen Bergdschungel. Auch in den kommenden Tagen nach unserem Werkstattaufenthalt genießen wir Patagoniens Schönheit in vollen Zügen. Wir sind umgeben von Millionen blühender Lupinen, blauem Wasser, Bächen, Wasserfällen und sattgrünen Wäldern.

Wir kommen aus dem Staunen kaum heraus und bleiben immer wieder stehen, um die Natur zu genießen. So fahren wir bis Futaleufú, wo wir jetzt über Weihnachten raften gehen wollen. Hier treffen wir auch auf einige andere Overlander, darunter auch zwei deutsche Familien, die wir bereits in El Chaltén kennenlernten.

Der Fluss Futaleufú ist im Grunde DER Raftingspot in Südamerika und so schenken wir uns zu Weihnachten ein feuchtfröhliches Abenteuer im tosenden Wasser. Und das hat sich so richtig gelohnt.

Weiter nach El Bolsón zu Klaus und Claudia

Nachdem wir uns in Futaleufú verabschiedet hatten, geht es wieder über die Grenze nach Argentinien und durch den wunderschönen Nationalpark Los Alerces. Hier verbringen wir eine Nacht auf einem Stellplatz und gehen etwas spazieren.

In El Bolsón treffen wir auf Klaus und Claudia von abgefahren.de. Die beiden sind sowas wie Ikonen des Overlanding und haben mit ihren Motorrädern 16 Jahre lang die Welt bereist, bevor sie sich in Patagonien niedergelassen haben. Bei ihnen haben wir unsere Autoversicherung abgeschlossen und freuen uns, sie nun persönlich kennenzulernen.

Da sich Klaus den Fuß gebrochen hat, helfen wir ein wenig auf dem Grundstück und setzen die ausgeklügelte automatische Bewässerung wieder in Gang und feiern zusammen Silvester.

Über die 7-Seen-Route nach Norden zu den Vulkanen

Eine Woche bleiben wir in El Bolsón bevor wir zur 7-Seen-Route aufbrechen. Außerdem besuchen wir Bariloche und gehen in der Nähe von San Martín de Los Andes ein bisschen klettern. Es wird spürbar wärmer und auch vom patagonischen Wind bekommt man nichts mehr mit. Jetzt ist Ferienzeit und auch das spüren wir. Auf den Camping- und Stellplätzen ist einiges los und wir müssen zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder mehr schauen, damit wir ein ruhiges Plätzchen finden. Trotzdem ist dies noch kein Vergleich zu Europa und es gibt immer noch viel schöne Natur und Ruhe.

Ungeplante Nacht vor dem Nationalpark Lanín

Wir fahren bis zum Nationalpark Lanín. Der ruhende Vulkan gilt aufgrund seiner Form als der schönste Berg Argentiniens. Auch uns gefällt der schneebedeckte Vulkan sehr gut und wir gehen im Nationalpark ein wenig spazieren und laufen zum Lago Tromen. Hier ist es wieder windig und auf der Lagune sind richtige Wellen.

Später essen wir noch auf dem Parkplatz vor der Rangerhütte zu Mittag. Ein großer Fehler, wie sich später herausstellt, denn die Grenze nach Chile, die wir im Anschluss passieren wollten ist gesperrt. Offenbar hat die Migration auf der argentinischen Seite ein technisches Problem und kann niemanden aus dem Land ausreisen lassen.

Wir stehen lange in der Schlange und warten. Es wird immer später und irgendwann teilt man uns mit, dass wir wohl erst morgen über die Grenze dürfen. Im Nationalpark darf man auch nicht mehr auf den Parkplätzen übernachten. So ein Käse. Wir fahren also wieder aus dem Park nach draußen und übernachten direkt davor. Am nächsten Morgen versuchen wir unser Glück und kommen über die Grenze nach Chile.

Ganz schön lebhaft – der Vulkan Villarica

Nachdem wir die Grenze überquert haben und wieder in Chile sind, nehmen wir Kurs auf den Vulkan Villarica bei der Stadt Pucón. Der Vulkan ist gerade auf Warnstufe Gelb. Er zählt zu den aktivsten Vulkanen in Südamerikas. Aufgrund seiner relativ dünnflüssigen Lava und seiner Daueraktivität ist er aber relativ berechenbar. Normalerweise kann man zu seinem Kraterrand wandern und dort in den offenen Lavasee blicken. Aufgrund der Warnstufe Gelb ist das allerdings gerade nicht möglich – es muss ein Kilometer Abstand zum Kraterrand eingehalten werden.

Wir nähern uns dem rauchenden Vulkan und durchqueren die Stadt Pucón und fahren über die sogenannte Vulkanstraße weiter nach oben bis wir einen schönen Parkplatz finden.

Von hier aus beobachten wir das Naturschauspiel, welches vor allem in der Nacht wunderschön zur Geltung kommt. Dann leuchtet nämlich die im Krater befindliche Lava die Wolken bzw. den aufsteigenden Rauch an, was dann aussieht, als würde der Villarica Feuer spucken. Zwei Nächte verbringen wir hier und erkunden die Umgebung. Dabei sehen wir auch ein paar Spuren vergangener Ausbrüche.

Wir verlassen Patagonien

Nachdem wir den Villarica verlassen, verlassen wir auch bald Patagonien. Wir ziehen stetig weiter in den Norden und erreichen bald die chilenische Küste und die Atacama. Aber egal, wohin der Weg uns führt – Patagonien hat sich sehr eindrücklich in unsere Erinnerung eingeprägt und unerwarteter Weise war der südliche Zipfel Südamerikas absolut traumhaft schön, abwechslungsreich und voller wilder Natur. Patagonien, wir werden dich nie vergessen!

Die Videos zum Bericht

Zu unserer Reise durch Patagonien haben wir zwei Videos veröffentlicht. Schaut doch mal rein:

Warst du schon einmal in Patagonien? Wo und was hat dir am Besten gefallen? Oder kannst du dir vorstellen, einmal dorthin zu reisen? Schreib uns doch in die Kommentare!

Ein Gedanke zu „Patagonien – Farbenfrohe Landschaften im Süden“

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