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Lackieren in Hohenau Paraguay

Renovierungsarbeiten und Genussmomente in Paraguay

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Paraguay. Das ist ein Land wie wir kaum ein anderes kennengelernt haben. Hohenau, die „Madre de los Colonias Unidas“, die Mutter der vereinten Kolonien ist ebenso speziell. Was Paraguay und Hohenau so besonders macht, erklären wir hier.

Paraguay in Stichpunkten

  • Die Fläche von Paraguay beträgt etwa 406.752 km²
  • Es gehört mit Bolivien zu den einzigen Binnenländern in Südamerika
  • Mit durchschnittlich 18 Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Bevölkerungsdichte etwas höher als in Argentinien
  • Paraguay liegt in den Subtropen
  • Landessprache ist neben Spanisch auch Guaraní. Für uns klingt es lustig. Unsere Versuche, ein paar Worte von der Bevölkerung zu lernen, blieben erfolglos
  • In Paraguay gibt es in vielen Lebensbereichen nur wenige Gesetze und wenn, werden sie oft nicht durchgesetzt – das hat so seine Vor- und Nachteile
  • Die Nationalstraßen sind größtenteils asphaltiert. Nebenstraßen sind jedoch meist Erdwege, was ein Vorankommen bei Regen zur Herausforderung werden lässt
  • Am Abend ist durchschnittlich jeder 8. Autofahrer mehr oder weniger stark alkoholisiert
  • Ein Großteil der Bevölkerung hat kein Bankkonto. Viele haben zwar bei verschiedenen Supermärkten ein Kundenkonto, welches aufgeladen werden kann, aber ein Bankkonto gehört nicht zum Standard. Lustigerweise kann man überall in den größeren Geschäften problemlos mit Karte oder per NFC mit dem Handy zahlen.
  • Das Lieblingswort der Paraguayer ist „tranquilo“ – ruhig. So ist ihre Lebenseinstellung. Hektik haben wir hier keine erlebt.
  • In Paraguay herrscht eine 9-jährige Schulpflicht. Diese wird aber – wie so vieles hier – nicht überwacht. Außerdem hat Paraguay die geringste Schulstundenanzahl pro Jahr auf der Welt. Dazu kommen die häufigen Ausfälle. Die Allgemeinbildung der Bevölkerung ist also eher schlecht im weltweiten Vergleich.
  • Die Tier- und Pflanzenwelt von Paraguay ist artenreich und grün.
Ein Kaiman in Paraguay - keine Seltenheit
Ein Kaiman in Paraguay – keine Seltenheit

Same, same but different – in Hohenau – in ganz Paraguay

Paraguay ist für Deutsche und Schweizer eines der beliebtesten Auswandererziele. Deshalb gibt es nicht nur verhältnismäßig viele Siedlungen mit hoher Anzahl an deutschsprachigen Einwohnern, sondern auch viele Produkte, die wir eben von zuhause gewöhnt sind. Einige Handwerker, Bäcker und Metzger haben sich hier niedergelassen und vertreiben ihre Waren, ihr Wissen und ihre Dienstleistungen. Dazu kommt, dass etwa einmal alle zwei Monate ein Container aus Deutschland hierherkommt und man sich relativ problemlos Dinge von dort bestellen kann. Abgerechnet wird per Kilo.

Roggenmehl

Dinge wie Roggenmehl und für uns schmackhafte Wurstwaren haben wir in Argentinien, wenn überhaupt, nur selten gefunden. Hier in Hohenau gibt es diese Dinge dank der vielen deutschsprachigen Einwanderer nicht nur reichlich, sondern teilweise sogar in Deutsch beschriftet.

Wir können hier in Hohenau und Obligado, wo wir die nächsten Wochen verbringen werden, also nach Monaten der Abstinenz wieder Dinge kaufen, die wir so langsam vermissen: leckere Wurst, richtig kräftigen Käse, Roggenmehl zum Brotbacken und einiges mehr. Viele Sachen, die wir in Argentinien nicht oder wegen der hohen Importsteuern nur sehr teuer bekommen haben, sind hier in den (größeren) Märkten oder auf dem Wochenmarkt erhältlich.

Auch Dinge, die uns bei der Verschiffung gestohlen wurden, konnten wir hier in guter Qualität und zu normalen Preisen kaufen – wie unsere Bluetooth-Musikbox. Jetzt haben wir halt statt unserer geliebten Bose-Box*, eine Flip 6 von JBL* – aber der wasserdichte Lautsprecher ist ja auch toll und hier in Paraguay ist wasserdicht immer gut. Außerdem sind uns zwischenzeitlich auf den Rüttelpisten in der Puna zwei Solarzellen kaputt gegangen, die wir hier wieder zu vernünftigen Preisen in vernünftiger Qualität bestellen können.

Gemeinsames Essengehen
Auch in den Restaurants bekommt man teilweise typisch deutsches oder schweizerisches Essen bzw. Pizza und Pasta, die uns wieder schmeckt. Mit Bruno und Renate, die wir ja aus Argentinien kennen, lassen wir es uns hier sonntags gutgehen.

Ben bekommt eine Schönheitskur

Generell ist das Preisgefüge hier in Paraguay ungewohnt. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer verdient nur etwa 1,50 EUR in der Stunde. Im Supermarkt sind die Produkte zwar günstiger als in Deutschland – aber nicht in dem Maße, was die Arbeitsstunde hier weniger kostet.

Wir nutzen die günstigen Stundenlöhne, die gute Qualität der hier erhältlichen Waren und unsere Zeit und lassen unserem Ben eine Schönheitskur zukommen. Es gibt ein paar Roststellen, die uns schon länger stören, die wollen wir beseitigen lassen. Außerdem haben wir viel Zeit im Gepäck, denn unser übernächstes großes Reiseziel, das Pantanal, steckt noch mitten in der Regenzeit und ist viel zu sumpfig, um in den nächsten Wochen schon dort aufzuschlagen.

Über andere Reisende haben wir erfahren, dass es hier in Hohenau eine sehr gute Lackiererei gibt und der Besitzer sogar deutsch spricht. Bruno und Renate lassen hier ihr Pepamobil lackieren und wir schließen uns dem an. Elvio macht mit seinen Jungs saubere und hochwertige Arbeit und wir ziehen für die meiste Zeit in eine Ferienwohnung ein. Zwar könnten wir auch bei Elvio in der Werkstatt schlafen, aber die Lackdämpfe, der Schleifstaub und der Lärm ist auf Dauer irgendwie auch nichts für uns.

Täglich schauen wir bei Elvio vorbei, um bei der Demontage der Anbauteile zu helfen und den Fortschritt zu sehen. Außerdem tauschen wir unsere defekten Solarzellen, während am Ben geschliffen und geschrubbt wird. Diese konnten wir nämlich völlig unkompliziert bestellen – nur die Bezahlung gestaltete sich ein wenig kompliziert, denn man kann gar nicht so einfach Geld nach Paraguay überweisen und die Bank unseres Händlers hat keine Filiale in Hohenau, wo wir es hätten direkt auf sein Konto einzahlen können.

Aber in Paraguay geht alles irgendwie und es ist immer nur eine Frage der Zeit und so hilft uns Elvios Bruder unkompliziert und überweist für uns, wir drücken ihm dafür Bargeld in die Hand. Ein paar Tage später wurden die Solarzellen in Elvios Werkstatt geliefert – per ÖPNV.

Tim geht in die Schule

Während wir Erwachsene täglich in Elvios Werkstatt stehen, beschließt Tim für eine Woche die Schule in der Nähe unserer Ferienwohnung zu besuchen. Tatsächlich ist sogar ein deutscher Junge in der Klasse, ansonsten läuft alles auf Spanisch. Das ist für Tim doppelt anstrengend aber irgendwie macht es ja trotzdem Spaß mit den vielen Kindern mit Hand und Fuß zu kommunizieren.

Schule ist hier anders. Weniger ernst und der Unterricht fällt häufig aus. Irgendwas ist immer und in 6 Tagen Schulbesuch hat Tim gerade einmal an 3 Tagen wirklich richtigen Unterricht gehabt. Das ist normal, erklärt der deutsche Klassenkamerad, der lustigerweise vor seinem Umzug nach Paraguay gerade einmal 14 KM von uns entfernt gewohnt hatte. Viele Kinder kommen nur selten, wenn überhaupt in die Schule und die Ausfallzeiten sind – je nach Wetter und Jahreszeit – höher als die Anwesenheitszeiten.

Unterrichtet wird neben Spanisch auch oft die Fremdsprachen Deutsch und Guaraní auch Naturwissenschaften und künstlerische Themen wir Musik und Tanz oder nützliche Dinge wie Gartenbau. Weil der Bildungsstand der erwachsenen Bevölkerung so niedrig ist, gibt es mittlerweile auch im Fernsehen einen Bildungskanal, um die Lücken etwas schließen zu können.

Wir hübschen auch den Innenraum auf

Nachdem wir bei Elvio in der Werkstatt fertig sind, ist die Begeisterung groß. Die Arbeit, die er gemacht hat, ist wirklich gut. Und weil wir ohnehin am aufhübschen waren, beschließen wir, auch gleich den Innenraum des Führerhauses zu erneuern. Der Teppich am Boden ist ultraschwer zu reinigen und die Decken- und Wandverkleidung auch schon etwas aus der Mode gekommen. Außerdem haben unsere (hässlichen) Deckenlampen bei Rüttelpisten nicht mehr in der Wand gehalten und baumelten dann am Kabel umher.

Also geht es hier gleich weiter und wieder ist das Ergebnis absolut umwerfend. Während der insgesamt 4 Wochen, in denen unser Fahrzeug rundum aufgehübscht wurde, haben wir natürlich viel erlebt und kennengelernt über Hohenau, Obligado und auch über ganz Paraguay.

Andere Länder, andere Sitten

Steht in Paraguay ein schützenswerter Baum dort, wo eine Straße gebaut werden soll, wird die Straße nicht etwa umgeplant oder gar der Baum gefällt – nein, man baut die Straße drum herum bzw. im Zweifel endet eine von zwei Spuren vor dem Baum und führt dahinter einfach weiter. Der Baum behält sein Recht auf Leben.

Regnet es in Paraguay, kommt keiner und das Land steht still. In vielen Betrieben wird nicht gearbeitet, die Schule fällt aus. Egal wie viel oder wenig es regnet. Egal, ob der Mitarbeiter oder Schüler nebenan oder im nächsten Ort wohnt. Es wäre ja auch unfair, wenn einer käme und der nächste bleibt im Matsch stecken. Bei dem roten, lehmigen und zähen Matsch, der überall kleben bleibt und nur schwer wieder abgeht kann man das auch fast verstehen. Hört es auf zu regnen, trocknet es relativ schnell ab und das Leben geht weiter.

Subtropen – feuchtwarmes Klima

Entweder du schwitzt, weil es im April in Hohenau um die 30 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit hat, oder du bist nass, weil es regnet. Aus Kübeln. Ohne Pause. Egal wie, deine Kleidung scheint permanent an dir festzukleben. Der Vorteil vom Regen: er ist manchmal wärmer als die Dusche es war. Nur in der kurzen Zeit nach dem Regen ist die Luft angenehm kühl und man kann sich bewegen, ohne sich gleich wieder nach der Dusche zu sehen. Und dabei ist das noch nicht die schlimme Jahreszeit. Im hiesigen Sommer stiegen die Temperaturen auf über 40 Grad. Während der Feuerball am Himmel steht, brauchst du da nicht mehr vor die Tür zu gehen.

Der Vorteil des Wetters: es ist wunderbar grün hier. Palmen, Eukalyptus und ganz viele andere Pflanzen und Pilze wachsen ohne Unterlass. Obst und Gemüse wachsen ebenfalls super, man muss sie aber gut gegen Fressfeinde und Unkraut verteidigen, sonst ist alles schneller wieder weg, als man es gepflanzt hat.

Aber wir bekommen auch eine „Kältephase“ mit. Die letzten zwei Wochen, die wir hier sind, ist das Wetter perfekt: Nachts kühlt es ab und tagsüber ist T-Shirt-Wetter, ohne gleich superheiß zu sein. Elvio und auch jeder andere Paraguayer schimpft, weil es schon viel zu kalt sei. Wir genießen die Temperaturen um 25 Grad und finden nach dem Regen tatsächlich beim Spazierengehen sogar ein paar Speisepilze, die nicht sofort wieder kaputt sind.

Strom ohne Ende und doch ständig Ausfälle

Kannst du dir vorstellen, in einem Land zu leben, in dem allein durch Wasserkraft so viel Strom produziert wird, dass das Land zu 100% allein damit versorgen kann und so günstig ist, dass du dir nicht mal Gedanken um den Verbrauch machen musst? Und trotzdem bist du an zwei verschiedene Netze angeschlossen, weil der Strom so häufig ausfällt? Das ist eben Paraguay.

Dank der beiden großen Wasserkraftwerke im Osten des Landes wird so unglaublich viel Strom produziert, dass Paraguay diesen auch an die umliegenden Länder verkauft und einer der weltweit größten Stromexporteure ist. Das KW kostet hier 402 paraguayische Guaraní, das sind umgerechnet etwa 0,051 EUR. Aber die Infrastruktur ist schlecht. Gerade nach großen Regenereignissen fällt der Strom häufig aus. Mal wenige Minuten, mal Stundenlang. Auch das Netz selbst hat immer wieder Schwankungen, was den Betrieb empfindlicher Geräte erschwert.

Die Jesuitenmissionen

Ganz in der Nähe von Hohenau kann man drei verschiedene Jesuitenmissionen besuchen, was wir in unserer freien Zeit auch gemacht haben.

Die Ruinen erinnern an die Zeit vor etwa 400 Jahren, als die Jesuiten versuchten, die native Bevölkerung vor der Ausbeutung und Versklavung durch die Portugiesen und spanischen Großgrundbesitzern zu beschützen. Hier lebten die friedlichen Jesuiten im Wohlstand mit ihrer Guaraní-Gemeinde und brachten ihnen neben der spanischen Sprache auch viele neue Fertigkeiten bei. Leider wurden auch diese Missionen immer wieder angegriffen, denn die Angreifer hatten erkannt, dass die indigene Bevölkerung hier bereits deutlich besser ausgebildet war. Die vielen Angriffe endeten erst, als die Guarani bewaffnet wurden und sich selbst wehren konnten.

Im April 1767 erließ König Karl III aus Angst, die Jesuiten könnten es auf den Thron abgesehen haben, ein Verbannungsdektret für alle Jesuiten in den spanischen Kolonien. Somit endete hier das Hoch der Jesuiten jäh und die Jesuitenmissionen verfielen.

Verschnaufpause am Fluss

Nach den wochenlangen Renovierungsarbeiten war es Zeit für eine Verschnaufpause und von Elvio bekommen wir den Hinweis, dass es ein schön angelegtes Angelgelände am Fluss bei Obligado gibt. Hier könne man gut mit unserem Mobil stehen, angeln und es sich gutgehen lassen. Außerdem sei es sehr ruhig und nur am Wochenende wirklich mal mehr los. Bruno und Renate seien auch heute dahin gefahren. Also schließen wir uns an und bleiben dort noch ein bisschen und genießen Paraguay von seiner entspanntesten Seite. Ganz tranquilo also.

Hier treffen wir auch auf einige andere Angler, Elvio kommt abends nach Feierabend vorbei und plaudert aus dem Nähkästchen. Und wenn sich morgens um 7 der dichte Nebel über dem Fluss lichtet und die ersten Sonnenstrahlen durchlässt, wenn mittags die Sonne warm vom Himmel scheint und die Angler am Fluss gemütlich ihre Rute auswerfen und wenn abends der Grill glüht mit lauter Leckereien drauf – dann wissen wir, dass wir genau am richtigen Ort für diesen Moment sind.

Das Video über unseren Paraguayaufenthalt

Hier könnt ihr euch auch unser kurzes Video zu unserem Aufenthalt in Paraguay anschauen.

Wir bleiben hier am Fluss noch ein paar Tage stehen. Dann geht es weiter in Richtung Iguazu-Wasserfälle – das sind die breitesten Wasserfälle hier in Südamerika. Kennst du diese schon? Warst du vielleicht schon einmal dort? Oder fällt dir noch etwas interessantes zu Paraguay ein? Schreib uns doch in die Kommentare.

Ein Gedanke zu „Renovierungsarbeiten und Genussmomente in Paraguay“

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