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2022 09 15 Paklenica 33

Kroatien – endlich runterkommen und hochklettern

Das schlechte Wetter hatte uns aus Slowenien vertrieben und nach Kroatien gescheucht. Aber da wollten wir sowieso hin und auch länger bleiben.

Auf der Flucht

Eigentlich hat es uns in Slowenien ganz gut gefallen. Aber die Preise für Campingplätze sind doch relativ hoch und das Freistehen ist nicht nur verboten, sondern die Strafen sind auch relativ bitter zu tragen. Dazu kam eine Schlechtwetterfront auf uns zugerollt. Für uns war das ein Zeichen, unseren Ben zu packen und weiter zu fahren.

Auf nach Kroatien

Als Tim hörte, es geht nach Kroatien, war er völlig aus dem Häuschen. Dort wartete das Meer auf ihn, das wusste er. Aber nicht nur Tim fieberte Kroatien entgegen, auch alle anderen freuten sich darauf. Schließlich war das Land schon oft Teil unserer Urlaubsvorplanungen und Gespräche – in Kroatien kann man nämlich angeblich ziemlich gut klettern gehen. Trotzdem hatten wir es bisher nie geschafft, weil uns in den Herbstferien die Zeit zu kurz war und im Sommer das Wetter zu warm.

Das sollte sich aber jetzt endgültig ändern, denn auf Weltreise ist das alles viel einfacher. Also rollten wir vor dem schlechten Wetter davon und überquerten bald die Grenze. Das ging relativ einfach und außer mal kurz den Pass vorzeigen war nichts weiter zu tun.

Kroatisches Hinterland

Wir fanden einen schönen Stellplatz im kroatischen Hinterland. Hier wollten wir uns die Füße vertreten und den Abend genießen. Beim Spaziergang entdeckten wir dann nicht nur wirklich schöne wilde Wege voller Bäume, Wiesen und versteckter Abzweigungen, sondern auch einige verlassene Häuser. Die ersten Lost Places unserer Reise begeisterten uns.

Ab ans Meer

Am nächsten Tag war nochmal ein klein wenig Regen angesagt. Das nutzten wir, um zu unserem ersten richtigen Wunschziel zu gelangen: Starigrad Paklenica.

Das kleine Küstendorf hat einige Campingplätze, von denen wir uns einen schönen direkt am Meer aussuchten und schon gleich mal die Qualität des ruhigen Gewässers der Bucht austesteten. Da Starigrad Paklenica in einer Bucht mit vorgelagerten Landzungen liegt, ist das Wasser hier nahezu spiegelglatt und ruhig. Der Kiesstrand sorgt für glasklares Wasser, in dem man die vielen kleinen Fischchen beobachten kann.

Ein paar Tage verbrachten wir aber auch etwas von Starigrad Paklenica entfernt in der Nähe von Vrsi direkt am Meer. Dort füllten wir freistehend unsere Energiereserven wieder auf und konnten uns in absoluter Ruhe um Dinge wie Hausarbeit, Brot und Kuchen backen (im Omnia Campingbackofen*) Tims Schulunterricht und natürlich auch Erics wöchentlichen Arbeitstag im „Homeoffice“ abhaken. Außerdem konnte ich, Christa, endlich mal ein bisschen mit der neuen Insta 360 X2* herumspielen.

Nationalpark Paklenica

Die erste Erkundungstour führte zum Nationalpark Paklenica. Sobald wir die ersten Felsen sahen, die wir quasi schon aus Kindertagen von den Winnetou-Filmen kannten, war klar: wir wollen und müssen hier unbedingt klettern und wandern gehen.

Die Filmkulisse von Winnetou dürfte jedem Ü35-jährigen wohl bekannt sein. Wenn nicht – in Kroatien findet man sie.

Der Park selbst ist seit 1949 Nationalpark und erstreckt sich über ungefähr 96 km2. Woher der Name kommt, ist nicht ganz geklärt. Paklenica bedeutet übersetzt etwa sowas wie „kleine Hölle“. Eine Idee ist, dass die rauen Karstfelsen mit ihren vielen Höhlen im richtigen Licht Assoziationen zur Unterwelt zulassen könnten. Eine andere Vermutung ist, dass sich der Name vom Saft der Schwarzkiefern, die im Park vorkommen, herleitet (Paklina).

Wir konnten auf jeden Fall keine Unterwelt oder Hölle entdecken, sondern waren völlig entzückt von der wilden und atemberaubend schönen Landschaft.

Klettern im Nationalpark Paklenica

Natürlich waren wir hier klettern. Es war fantastisch, endlich wieder echten Felsen unter den Fingern zu fühlen. Auch wenn die eine oder andere Route etwas abgespeckt war (vor allem die, die für die Kletterkurse genutzt werden), hatten wir viel Freude. Immerhin hatten wir vor unserer Abreise nicht wirklich viel Zeit fürs Klettern übrig gehabt.

Man klettert hier an Kalkfelsen, die super abgesichert sind und den Einstieg ins „draußen klettern“ dank der relativ kurzen Hakenabstände und guten Umlenkern gut unterstützten. Allerdings muss man sich als Kletterer hier daran gewöhnen, auf dem Hauptwanderweg als Attraktion angesehen zu werden. Ich glaube allein an den zwei Klettertagen wurden mindestens 50 Fotos von uns gemacht.

Die Klettergebiete selbst sind gut ausgeschildert, da aber die Routennamen nicht angeschrieben stehen, sondern nur alle X Routen mal ein Name mit Schwierigkeit zur Orientierung ansteht, lohnt es sich, einen Kletterguide* zu besorgen. Neben Sportkletterrouten finden sich hier auch einige Mehrseillängenrouten. Auch Bouldern kann man hier wohl, damit haben wir uns aber nicht näher beschäftigt.

Wandern im Nationalpark Paklenica

Natürlich haben wir uns auch eine Wanderung durch den Nationalpark vorgenommen. Es sollte für uns die Mala Paklenica am Eingang 2 hochgehen. Das ist die etwas kleinere aber auch viel wildere der beiden großen Schluchten im Nationalpark. Der Ranger am Eingang meinte auf Nachfrage, dass die Route, die er uns einzeichnete ca. 4 Stunden dauern würde.

Frohen Mutes gingen wir nur mit einem Snack und Wasser in den Rucksäcken los. Wir durchquerten die Schlucht, mussten auf und ab klettern, über große und kleine Felsblöcke kommen. Bestaunten Höhlen, die Tier- und Pflanzenwelt und die fantastischen Ausblicke zurück aufs Meer, die sich uns immer mal wieder boten.

Wir hatten alle unglaublich viel Spaß bei der Wanderung. Aber irgendwann merkten wir, dass die Aussage des Rangers nicht zu der eingezeichneten Route passen konnte. Denn wir waren schon 3,5 Stunden auf dem (einzigen) Weg in die Schlucht hinein, aber noch lange nicht an der Wegkreuzung, auf der wir wieder in die andere Richtung über den Bergrücken zurückkamen.

Trotz mangelndem Proviant bissen wir aber tapfer die Zähne zusammen und zogen die Wanderung durch. Umdrehen kam uns auch nicht richtig vor, zumal manche Felsen, die wir hochkletterten zum runterklettern gar nicht so toll gewesen wären.

Nach ca. 9,5 Stunden kamen wir müde, kaputt und hungrig aber auch glücklich zurück zum Campingplatz.

Das Wetter schiebt von hinten

Am Abend nach unserer Wanderung bekamen wir Unwetterwarnungen auf unsere Handys. Eine Unwetterfront mit Starkregen (400L/m2) und Tornadowarnungen zog von Slowenien auf die Küstenregion zu, in der wir uns befanden. Urlaubern wurde angeraten, die Heimreise anzutreten, da mit starken Überschwemmungen, schlimmer als 2021 im Ahrtal, gerechnet werden muss.

Für uns war das das Zeichen, die Zelte in Starigrad Paklenica abzubrechen und weiter zu ziehen.

Videozusammenfassung in bewegten Bildern

Ein kleines Youtube Video zeigt euch nochmal, was passiert ist und ein paar Mitschnitte unserer Wanderung und unseres schönen Freistehplatzes in Kroatien

Was würdest du machen, wenn du zwar richtig viel Zeit hast, die Wetterprognosen aber wirklich gruselig sind? Weiterfahren und vielleicht einiges verpassen oder doch ausharren und abwarten, ob es wirklich schlimm wird?

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