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Albanien

Albanien – wie ein ungeschliffener Diamant

Nachdem wir in Kroatien vor dem herannahenden Orkantief geflohen sind, trieb uns das Wetter bis nach Albanien. Ein Land, von dem wir gleichermaßen viel positives und negatives gehört hatten. Jetzt konnten wir uns endlich ein eigenes Bild machen.

Über Montenegro bis Albanien

Das Orkantief über Kroatien hatte uns mit seinen Ausläufern doch erwischt und morgens um halb 5 aus unseren Betten gescheucht. Wir standen auf einer wunderschönen Anhöhe und konnten beobachten, wie Blitze von allen Seiten zuckten. Also haben wir schnell unsere sieben Sachen gepackt und sind geflohen – wir waren nämlich so ziemlich der höchste Punkt.

Blitze im Sekundentakt begleiteten uns bis in den Vormittag hinein. Aber auch der anhaltende Regen trieb uns ziemlich zügig durch Montenegro. Die Landschaft hat uns so gut gefallen, aber das Wetter wollte uns nicht so richtig zusagen. Also fuhren wir geradewegs durch das Land an der Küste entlang bis Albanien. Außer kleine Ruhepausen am Straßenrand und die Küstenorte hatten wir deshalb leider nicht viel gesehen.

Grenzformalitäten, Mobile Daten und Geld in Albanien

Albanien gehört nicht zur EU. Die Grenzformalitäten waren dennoch sehr einfach und unkompliziert – Pässe und Fahrzeugpapiere zeigen und das wars auch schon. Das galt sowohl für die Ein- als auch für die Ausreise.

Kurz nach der Grenze kauften wir uns dann in Shkodër auch gleich eine Vodafone Touristen Karte in einem kleinen Shop am Straßenrand. 34 GB für 17 € – da kann man nicht meckern. Die Mitarbeiter im Geschäft haben uns bei der Einrichtung geholfen und wir konnten auch mit Euro bezahlen.

Obwohl der albanische Lek das offizielle Zahlungsmittel ist, konnten wir in ganz Albanien eigentlich immer in den Geschäften und Restaurants unkompliziert mit Euro bezahlen. Ehrlich gesagt, haben wir in den zwei Wochen, die wir Albanien bereist haben, nicht einmal Geld abgehoben oder gewechselt, sondern nur irgendwo mit Euro bezahlt und dann Lek als Rückgeld bekommen.

Albanien – unser Eindruck

Man sagt, der erste Eindruck ist das, was zählt. Dieser war bei uns ziemlich gut. Wir sind in Albanien spät abends eingereist und haben einen Stellplatz für die Nacht gesucht. Gefunden haben wir einen halboffiziellen Platz bei einem Restaurant/Hotel in Shkodër, der laut Internet 10 € kosten soll. Als der Besitzer der Anlage hörte, dass wir Deutsche sind, durften wir gleich kostenlos bleiben.

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Ihr dürft so lange bleiben, wie ihr wollt – so herzlich empfing man uns hier.

Im Allgemeinen haben wir die albanische Bevölkerung schnell als sehr gastfreundlich und hilfsbereit kennengelernt und uns ein bisschen in das Land verliebt. Gefühlt ist hier alles ziemlich stressfrei und für jedes Problem findet jemand eine Lösung. Alles ist irgendwie chaotisch aber doch geregelt. Wir mögen das.

Leere Strände und volle Herzen

Da wir eine kleine Reparaturarbeit vor uns hatten und auch noch etwas auf- und umräumen wollten, hatten wir uns nach kurzer Erkundungstour entschieden, ein Plätzchen am Strand zu suchen. Deshalb sind wir nach Shëngjin auf einen kleinen Campingplatz gefahren.

In Shëngjin selbst reiht sich an der Strandpromenade schon ein Hotel ans nächste und weitere befinden sich im Bau. Man erahnt, was hier wohl im Sommer los sein muss. In der Nebensaison ist man hier aber nahezu alleine unterwegs und kann auch noch ein bisschen die Fischerdorfromantik erahnen, die hier wohl früher geherrscht hat.

Kurz nachdem die Hotelanlagen und im Bau befindlichen Hotels enden, gibt es einen Campingplatz. Wir verbrachten hier ein paar wundervolle Tage am Strand und natürlich testeten wir auch mal ein Restaurant an wovon wir sehr positiv überrascht waren.

Morgens bei Sonnenaufgang kamen immer ein paar Pferde am Strand vorbeigelaufen, Abends verschwand die Sonne in spektakulären Farben im Meer. Dazwischen genossen wir einfach die Ruhe, schwammen ein wenig oder werkelten eben etwas an unserem Ben, der ein wenig Zuwendung brauchte. Wir reparierten das „Geländer“, brachten noch ein paar Airlineschienen* auf dem Dach an – kann man ja schließlich nie genug haben und packten ein paar (vorerst) unwichtige Dinge damit rauf aufs Dach.

Das war jetzt genau das, was wir nach den etwas hektischen letzten paar Tagen im Regen und Sturm brauchten.

Klettern, Lagerfeuerromantik und nette Gespräche

Nach ein paar Tagen am Meer ging es für uns endlich wieder klettern. Am Bovilla Reservoir sollte es nämlich ein kleines Klettergebiet geben. Und zum klettern sagen wir ja nicht nein.

Frisch, munter und frohen Mutes machten wir uns also auf zum Bovilla Reservoir – dem Trinkwasserreservoir der Stadt Tirana (schwimmen verboten). Nach ein paar Kilometern Holperpiste fanden wir auch den Parkplatz direkt an der Staumauer des wunderschön gelegenen Sees. Hier waren wir nicht allein, denn weitere Camper mit kletterlustigen Menschen waren hier auf dem kleinen Platz. Sogar ein langzeitreisendes deutsches Paar, mit denen wir gemütliche Abende voller netter Gespräche am Lagerfeuer verbrachten, war dabei.

Das Klettergebiet selbst war toll. Absolut nicht abgespeckt, gut abgesichert und zumindest der eine Sektor ziemlich einfach -richtig gut, um wieder Sicherheit und Freude im Vorstieg zu bekommen. Und die Aussicht – man wollte gar nicht mehr runter kommen, wenn man mal oben war. Die unglaublich schöne Farbe des Sees zusammen mit den umliegenden Wäldern der Berge und Hügel war einfach fantastisch und kaum in Worte zu beschreiben.

Der Stausee ist auch ein beliebtes Ausflugsziel für die Menschen aus Tirana. Tagsüber gibt es schon ein wenig Autoverkehr auf der Zufahrtsstraße und ein paar Spaziergänger und Wanderer, die sich ebenfalls an der Schönheit der Umgebung erfreuen. Trotzdem ist es relativ gemütlich hier. Abends und Nachts ist dann aber wirklich ruhe hier.

Am zweiten Abend gesellten sich dann noch zwei junge Albaner zu uns ans Feuer. Sie kamen aus der Landeshauptstadt Tirana um die Natur zu genießen. Am Feuer erzählten uns Ladi und Andi von ihrem Leben in Albanien, dem engen Familienzusammenhalt hier, was gut und schlecht am hiesigen Regierungs- und Schulsystem sei und im Gegensatz dazu erzählten wir aus unserer Heimat, die aber Ladi auch nicht ganz unbekannt war. Sein Bruder lebt nämlich in Stuttgart.

Gjipe Beach – eine kleine Berühmtheit in Albanien

Natürlich waren wir auch kurz am Gjipe Beach klettern. Das ist wohl das berühmteste Klettergebiet in Albanien – vielleicht auch wegen seiner spektakulären Zufahrt in den Canyon. Diese ist nämlich nur mit einem 4×4 PKW mit hoher Bodenfreiheit zu meistern. Alle anderen Fahrzeuge bleiben besser oben auf dem offiziellen (kostenpflichtigen) oder noch weiter oben auf dem inoffiziellen Parkplatz stehen.

Wir haben uns trotz 4×4 auch lieber für den Parkplatz oben entscheiden, denn der Weg runter in den Canyon ist verdammt schmal und auch wenn wir ihn vielleicht bezüglich Höhe und Breite gemeistert hätten – mit Gegenverkehr wäre das Ganze echt gruselig geworden – und Verkehr ist dort tatsächlich gewesen.

Unten am wunderschönen Strand gibt es einen Campingplatz – und das einigermaßen berühmte Klettergebiet. Klar, dass wir das austesten wollten.

Zwar waren die Felsen am Bovilla Reservoir frischer und einige Bolts am Gjipe durchaus rostig und furchteinflößend, aber hinten im Canyon gab es einige hübsche Sektoren, die wir austesteten und für gut befanden.

Nach dem Klettern hüpften wir kurz in Meer, den Staub und Schweiß abspülen.

Albanien ist eine Reise wert

Für uns ging es so weiter – ein bisschen Strand und Meer, ein bisschen klettern, ein bisschen fahren.

Wir hatten in ganz Albanien viele wunderschöne Momente erlebt und auch viele positive Erfahrungen mit der Bevölkerung gemacht. In der Nebensaison – wir waren ja Ende September hier – ist auch an den Stränden so gut wie nichts los. Oft hatten wir den Strand für uns alleine. Jedoch lassen die vielen Hotels an einigen Buchten und die vielen aneinandergereihten oder gestapelten Liegestühle erahnen, was hier in der Hauptsaison los ist. Trotzdem war das Wetter mit rund 25°C noch gut genug und das Wasser noch warm genug, um mal ins Meer zu hüpfen.

Im Hinterland ist alles noch ein wenig ursprünglicher und vom Tourismus auch weit weniger zu erahnen wie an den Stränden.

Die Landschaft ist sowohl an der Küste als auch im Hinterland wirklich schön. Jedoch können wir unterschreiben, was viele kritische Stimmen sagen: Albanien hat seinen Müll noch nicht im Griff. In Städten und überall dort, wo viele Menschen sind, ist auch Müll. Je abgelegener man sich aber bewegt, umso kleiner wird dieses Problem.

Das Land ist wie ein ungeschliffener Diamant, der gerade kurz davor ist, geschliffen zu werden. Wer sich also von dem Müll in den Städten nicht so wirklich stören lässt, der findet ein ganz wunderbares Reiseland vor, das gerade dabei ist, sich zum großen touristischen Reiseziel zu mausern.

Wir haben in Albanien so unglaublich viel Gastfreundschaft erfahren und ganz oft etwas geschenkt bekommen – sogar im Laden. Auch beim Autowaschen hat man einfach abgewunken, als wir fragten, was es kostet.

Das Video zum Bericht

Und wer zu faul zum lesen ist – hier gibt es auch das Video zu Albanien auf Youtube 🙂

Hast du das auf Reisen auch schon erlebt, dass man dir einfach etwas geschenkt hat oder dich eingeladen hat, ohne auch nur die geringste Gegenleistung zu erwarten?

12 Gedanken zu „Albanien – wie ein ungeschliffener Diamant“

  1. Pingback: Griechenland I - Der Peloponnes - auf-achse-sein.de

  2. Schöner und interessanter Bericht und das Video ist auch sehr schön.
    Man ist ein bisschen mit euch auf der Reise.
    viel Spaß noch

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