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Diebstahl bei der Verschiffung unseres Wohnmobils

Etwa sechs Wochen hat für uns das Prozedere mit der Verschiffung von Hamburg nach Uruguay gedauert. In Südamerika kam das böse erwachen. Wie das mit der Verschiffung abgelaufen ist, wie unsere Erfahrung mit Overlander-Shipping Hamburg ist und was es mit dem Diebstahl auf sich hat, erzähle ich euch in diesem Bericht.

Die Verschiffung mit Overlander-Shipping Hamburg

Am 5.12.2022 war es soweit. Wir brachten unseren Ben in den Hafen. Als Verschiffungsagenten haben wir uns nach ein paar Telefonaten und Angebotsanforderungen für Overlander-Shipping in Hamburg entschieden. Ricardo Gomes, wie der Unternehmer heißt, hat schon ein wenig Erfahrung damit, klang kompetent und das Angebot war gut. Im Angebot mit enthalten war eine Fahrzeugversicherung über 120.000€ und eine Inhaltsversicherung über 10.000 €. Verschifft wurde mit Grimaldi.

Zur Vorbereitung mussten wir das Wohnmobil aufräumen, damit es „blickleer“ ist. Alle Gegenstände sollten in den Schränken verstaut und gegen Seegang gesichert sein. Der Wohnraum darf abgeschlossen sein, die Schlüssel müssen aber bei Grimaldi neuerdings alle abgegeben werden. Außerdem ist auf Folgendes zu achten:

  • Gas, Öl, leicht entzündliche Stoffe, Lebensmittel etc. dürfen nicht mit. Hierzu sind aber auch vor allem die Bestimmungen im Zielland wichtig. Wir gingen auf Nummer sicher und haben eben alle Lebensmittel zuhause gelassen
  • Die Fahrzeugbatterien bleiben angeklemmt, die Batterien im Wohnkabinenaufbau sollten abgeklemmt werden
  • Vorteilhaft ist es, eine Anleitung zum Betrieb des Fahrzeugs (möglichst dreisprachig: deutsch, englisch und spanisch) zu erstellen und in der Fahrerkabine bereitzulegen
  • Eine Ladeliste mit allen Dingen, die im Wohnmobil verbleiben, sollte erstellt werden
  • Sollte nicht der Halter/Besitzer des Fahrzeugs auch der Fahrer sein, wird das Ganze etwas komplizierter bei Abgabe und Abholung. Da das aber bei uns nicht der Fall ist, haben wir uns mit dieser Thematik nicht näher beschäftigt
  • Teure und wichtige Ausrüstungsgegenstände am Besten im Flieger mitnehmen (leichter gesagt, als getan)

Einfach in der Theorie, schwierig im echten Leben

Was erstmal so leicht klingt, ist es am Ende gar nicht. Zuerst wollte unser Gastank nicht leer werden. Glücklicherweise mussten wir bei Overlander-Shipping kein Zertifikat und einen verplombten Gastank vorweisen, sondern nur zeigen, dass die Füllstandsanzeige auf 0 ist. So konnten wir das Gas bis zum letzten Tag in Hamburg benutzen, denn die letzten paar % unserer Anzeige hielten sich länger als geplant. Da aber unsere Heizung am vorletzten Tag den Geist aufgab, waren wir froh, dass wir zumindest das Gas abbrennen mussten und uns so etwas Wärme beim Packen beschafft wurde.

Auch das Verstauen und Packen unserer Habseligkeiten war eine gedankliche Herausforderung. Was nehmen wir im Flieger mit, was bleibt im Wohnmobil? Immerhin wollten wir am Tag nach der Abgabe fliegen und hatten in den Koffern nicht unendlich Platz. Dinge wie Laptop, Garmin-Navi, Tablet und auch kleinere Sachen wie Dashcam*, Rückfahrkamera nahmen wir mit. Webcam, Stirnlampen* sowie all unsere Küchengeräte, Wandersachen und Werkzeuge blieben im Ben, ebenso wie ein Großteil unserer Kleidung, die Dinge des täglichen Lebens und unsere Klettersachen. Später sollten wir einige dieser Entscheidungen bereuen.

Der Tag der Abgabe zur Verschiffung nach Südamerika

Am Morgen des 5.12.2022 war es soweit. Der Tag der Abgabe zur Verschiffung war da und Eric und ich (Christa) fuhren zu Ricardo an den Hafen. Dieser schaute sich auf dem Parkplatz nochmal unser Fahrzeug an, machte Bilder von allen Seiten und vom Innenraum und erklärte uns ausführlich den Ablauf auf dem Hafengelände. Eric musste allein in das eigentliche Hafengelände einfahren, ich musste draußen warten.

Im Hafengelände wurden Ausweis und Papiere geprüft und ein Parkplatz zugewiesen. Die Schlüssel wurden übergeben. Das wars. Man versicherte uns, die Schlüssel würden während der gesamten Überfahrt in einem Tresor beim Kapitän aufbewahrt werden, unser Fahrzeug und die Dinge im Innenraum seien sicher.

Dann kam das lange Warten. Plan war, dass unser Wohnmobil am 8.12. auf das Schiff geht. Dieses hatte aber Verspätung und so stand Ben länger als geplant im Hafengelände in Hamburg. Sechs Wochen mussten wir dann in Uruguay auf die Ankunft unseres Wohnmobils warten.

Aller Abschied ist schwer. Wir geben unseren Ben im kalten Hamburg aus den Händen, um ihn in Südamerika wieder in Empfang zu nehmen.

Der große Schreck bei der Abholung – Einbruch und Diebstahl im Wohnmobil

In Uruguay hatten wir einen Agenten, Eduardo Kessler, der uns bei dem Prozedere der Abholung aus dem Hafen unterstützte. Dieser spricht zumindest ausreichend Englisch, um sich gut zu verständigen (unser Spanisch ist nicht so gut, dass wir uns das selbst zutrauten), kennt die Abläufe bei Verschiffung, Abholung und Zoll und weiß, was zu tun ist. Das war uns das bisschen Extrageld wert.

  • Im Vorfeld musste bei der Migrationsbehörde ein Dokument geholt werden, dass uns nochmal die Einreise bestätigte („Certificado de Llegada“). Dies ging aber einfach und unkompliziert.
  • Außerdem mussten Kopien von der Versicherung (wir haben diese im Vorfeld in Argentinien bei Claudia und Klaus von abgefahren.info abgeschlossen), vom Führerschein und vom Fahrzeug abgegeben werden.
  • Das Bill of Landing hat Ricardo von Overlander-Shipping direkt an Eduardo gesendet.

Auch hier war es so, dass nur der Fahrer und Halter des Fahrzeugs auf das Hafengelände durfte. Ich musste wieder draußen warten.

Als Eric unser geliebtes Zuhause betrat, kam der Schreck – alle, also wirklich alle Schränke waren offen und ausgeräumt. Sämtliche Gegenstände und Kleidung lagen verstreut im Wohnraum. Das Wohnmobil ein einziges Chaos. Bei den anderen 7 Wohnmobilen, die mit Ben auf dem Schiff waren, offenbarte sich das gleiche Bild. Die Türen und Fenster waren alle augenscheinlich erstmal unversehrt. Nur einer hatte sogar eine eingeschlagene Scheibe. Jeder der Wohnmobilisten sprach vom Diebstahl einiger Gegenstände.

Wir meldeten das gleich im Hafen und man nahm diese Meldung bei der Übergabe direkt auf. Aber wie zur Hölle soll man in dem Chaos sagen können, was fehlt? Offensichtliche Dinge wurden bemerkt. Ein Wohnmobilfahrer merkte, dass sein Wechselrichter vom Kabel abgeknipst wurde und aus der Wand gerissen wurde. Andere hatten kein Werkzeug mehr. Uns fehlten Dinge wie Funktionskleidung, Wanderausrüstung und Elektronikgeräte/Werkzeuge, die sich im Wohnraum befanden.

Schnell versuchte sich Eric einen Überblick zu verschaffen, was aber irgendwie unmöglich erschien. Dann hieß es kurz darauf, man solle schnell das Fahrzeug fahrbereit machen. Zusammen mit allen anderen Wohnmobilen, die auf dem Grimaldi-Schiff unterwegs waren, ging es nacheinander zum Zoll. Dies war mit Hilfe von Eduardo Kessler ein Kinderspiel und dann, nach „nur“ 3 Stunden, war Ben frei auf südamerikanischen Straßen unterwegs.

Überblick verschaffen und Schadensaufnahme machen

Nachdem das Wohnmobil nun endlich zu uns nach Südamerika verschifft wurde, luden wir in der Ferienwohnung in Montevideo unsere sieben(tausend) Sachen in unseren Ben und fuhren auf den Stellplatz UY-Storage mitten im Nirgendwo hinter Montevideo.

Montevideo hat glücklicherweise viele freie Parkplätze. Wir konnten direkt vor der Ferienwohnung parken und unsere Sachen einladen.

Dort angekommen durften wir uns netterweise breit machen und aufräumen. Inzwischen hatten wir auch Kontakt zu Ricardo von Overlander-Shipping in Hamburg aufgenommen. Wir sollten ihm eine Liste schicken mit den Dingen, die fehlen und den Geldwerten dieser Gegenstände.

Schnell fiel auf: sämtliche Elektronik, die im Mobil verblieben war, fehlte. Stirnlampen, Webcam, UV-Lampe zur Wasserdesinfektion, Reifendruckanzeige sogar unser f***ing Thermometer haben sie uns von der Wand geklaut. Auch Funktionskleidung und Wanderequipment fehlte, sämtliche Ladekabel waren weg. Unsere Stirnlampen, Soundbox, ein Teil der Werkzeuge und viele andere Dinge – ständig fiel uns etwas ein, was wir beim auf- und einräumen nicht gesehen hatten.

Unser Heckklappenschloss wurde auch beschädigt. Offenbar hatten die Diebe dies nicht so schnell aufbekommen und so waren zumindest die Fahrzeugersatzteile und unsere Kletterausrüstung vom Diebstahl unberührt geblieben. Trotzdem wurde die Liste Stunde um Stunde, die verging, länger.

Nach einem kompletten Tag des Aufräumens und Sortierens hatten wir einen groben Überblick über den Schaden und konnten die fertige Liste mit Schadenswerten und den Rechnungen relativ bald übermitteln. Glücklicherweise hatten wir im Vorfeld eine ziemlich gute Ladeliste geschrieben und abgegeben, wo all diese Dinge benannt waren. Ricardo wollte sich dann mit der Versicherung in Verbindung setzen. Nachdem wir ca. zwei Wochen später immer noch nichts gehört hatten, machten wir das sicherheitshalber ebenfalls nochmal.

https://auf-achse-sein.de/wp-content/uploads/2023/02/Diebstahl.mp4

Dann hieß es erstmal warten auf die Reaktion der Versicherung.

Wiederbeschaffung – gar nicht so einfach in Südamerika

Wir machten uns derzeit schon mal auf den Weg und versuchten unterwegs die wichtigsten Dinge zu besorgen, die uns gestohlen wurden. Nach einiger Sucherei fanden wir in den größeren Städten wie z. B. Mendoza einige gute Läden und konnten zumindest einen Teil der Dinge wiederbeschaffen. Oft ist hier allerdings die erhältliche Qualität schlechter, als wir es von zuhause gewohnt sind. Aber immerhin besser als nichts. Andere Dinge haben wir bis heute noch nicht ersetzen können und behelfen uns eben irgendwie anderweitig.

Anfangs fragten wir uns öfter, wie das denn hatte passieren können, dass keinerlei Aufbruchspuren an der Kabine, zu sehen sind, aber im Innenraum das reinste Chaos herrschte. Waren die Schlüssel vielleicht doch nicht immer beim Kapitän im Tresor? Oder passierte der Diebstahl auf dem Hafengelände?

Aber das lange ärgern und wundern bringt uns nicht weiter und macht den Schaden nicht ungeschehen. Es macht einfach nur schlechte Laune. Wir wollen uns davon nicht die Reise vermiesen lassen, also nahmen wir es, wie es ist und ziehen unsere eigenen Schlüsse daraus. Wie wir es bei der nächsten Verschiffung dann machen werden, wissen wir aktuell noch nicht.

Schneller als gedacht

Nach einiger Zeit kamen noch ein paar Rückfragen seitens der Versicherung. Anschließend erhielten wir recht bald die Meldung von der Versicherung. Die Schadensmeldung sei nun eingegangen und wir würden unseren Verlust, abzüglich der 500 € Selbstbeteiligung, voll erstattet bekommen. Kurz darauf war auch schon das komplette Geld für all die gemeldeten Dinge ohne weitere Abzüge auf unserem Konto eingegangen. Wenigstens das hatte unglaublich reibungslos funktioniert.

Würden wir wieder mit Overlander-Shipping verschiffen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Natürlich ist so ein Einbruch mit Diebstahl superärgerlich. Auch die Kommunikation mit Ricardo von Overlander-Shipping war häufig etwas zäh, weil die Antwort- und Bearbeitungszeiten relativ lang waren. Hier mussten wir selbst oft die Initiative ergreifen und anrufen.

Aber: dank der obligatorischen Versicherung, den Fotos, die Ricardo bei Abgabe machte und der Ladeliste haben wir den entstandenen Schaden zumindest geldlich komplett ersetzt bekommen.

Auch für den eigentlichen Diebstahl kann Overlander-Shipping natürlich nichts. Er selbst sorgt ja nur für die Abfertigung des Fahrzeugs zur Verladung auf das Grimaldi-Schiff und wieder herunter. Die Sicherheit und Aufsichtspflicht obliegt nach wie vor den Hafenbetreibern und Grimaldi. Leider ist hier auf dem Seeweg zwischen Hamburg und Montevideo keine Auswahlmöglichkeit vorhanden und deshalb antworten wir hier mit ja – wir würden es wieder tun. Vielleicht mit weniger Wertsachen im Fahrzeug, aber die administrativen Dinge hat Overlander-Shipping trotzdem gut für uns erledigt und auch der Preis hat gepasst.

Hast du dein Wohnmobil auch schon mal verschifft? Wie ist es bei dir gelaufen? Oder was denkst du, ist die beste Möglichkeit, Diebstähle wie diese zu vermeiden? Schreib uns doch in die Kommentare.

9 Gedanken zu „Diebstahl bei der Verschiffung unseres Wohnmobils“

  1. I am so so sorry to hear about the robbery of your possessions in „Ben“ I can imagine the shock you must have had when you discovered this plus the time wasting of replacing the things. That was yesterday so now you’re wonderful journey carries on.Good luck to you all. Patricia.

  2. Das Problem mit den Diebstähle ist seid vielen Jahren bekannt.Bei unseren beiden Verschiffungen nach Nordamerika gab es nie Probleme.Von Buenos Aires nach Deutschland konnten wir auf dem Schiff mitfahren und in Begleitung auch immer mal wieder unser Fahrzeug kontrollieren. Bei der letzten Verschiffung von Cartagena nach Deutschland war das Fahrerhaus bzw.eine Kiste durchführt aber es fehlte nix gravierendes .

    1. Schön wäre, wenn niemand Werkzeug im Fahrzeug lassen würde. Das dient dazu die anderen Autos aufzubrechen und ist zudem drüben deutlich teurer als hier. Die einzige Möglichkeit scheint bisher zu sein, auf dem Auto mitzufahren.
      Leider sind die Veranstalter solcher Verschiffungen nicht in der Haftung. Vielleicht würde es dann weniger?!

      1. Naja, ganz so einfach ist das ganze Thema leider nicht.
        Das Werkzeug, welches wir dabei hatten, hatten wir schon mehrfach gebrauchen können. Hier kaufen ist schwierig und im Fluggepäck mitnehmen ist ebenfalls schwierig, weil ja auch so viele andere Dinge mit müssen.
        Es ist einfach traurig, dass sowas passieren kann und die Gesellschaften wie Grimaldi keinen Wert auf die Sicherheit ihrer Fracht legen. Hier liegt der Hund begraben und hier sollte nachgearbeitet werden. Grimaldi sind aber die paar Wohnmobile leider völlig egal und somit wird es wohl genau so bleiben. Mitfahren ist heute leider auch nicht mehr möglich. Aber bei 4 Wochen auf See würde ich wohl ebenfalls durchdrehen…

  3. Beim Verschiffen nach Südamerika und Südafrika sollte man UNBEDINGT eine Route wählen, die NICHT über Westafrika geht. Da wird das Meiste gestohlen/demoliert. Lief Eure Route über Westafrika? Wir konnten noch mitfahren. Der Captain ( schwedische Führung+ Philippinos) ordnete aus Bewachungsgründen an, dass jeder auf sein WoMo selbst aufpassen muss! Es wimmelt nur so von Einheimischen, die die Ladung runterholten. Der direkte Weg von Cartagena nach Europa scheint der sicherste im Moment zu sein. Viel Glück, es ist super schön in Südamerika. Waren insgesamt (mit Unterbrechung) 6 Jahre unterwegs. LG y Suerte

    1. Hallo ihr zwei,
      ja, es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Verschiffung nach Catagena am sichersten ist – zumindest hört man es so. Allerdings ist es aktuell schwierig, von dort in den Süden zu kommen. Peru ist momentan so ein Thema für sich und durch das Amazonasgebiet ist es auch nicht wirklich gut. Mal sehen, wann sich die Lage dort wieder etwas beruhigt.
      Wir sind zumindest froh, dass die Versicherung schnell und unkompliziert gezahlt hat und dass man an unserem Fahrzeug nichts kaputt gemacht hat.
      Jetzt sind wir erstmal hier und ja, es ist superschön – zumindest, was wir bisher in den drei Monaten gesehen haben.
      Liebe Grüße aus Salta / Argentinien
      Christa

    2. Wenn man die Route selbst bestimmen könnte… das geht z. Zt. nicht. D. h. jeder ist betroffen und wenn nur gestohlen wird, kann man von Glück reden. Aber die Beschädigungen sind kaum zu beheben!

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