traumhaftes Sardinien

Sardinien im Oktober 2019

In den Herbstferien wollten wir eigentlich Kroatien erkunden. Das hatten wir uns schon lange vorgenommen und ja schon so viel schönes über das Land an der Adria gehört. Aber manchmal kommt es doch anders als gedacht und so landeten wir auf Sardinien. 

Sardinien im Herbst – ein Traum von Klettern und Meer

Eineinhalb Wochen vor den Ferien zeichnete sich ab, dass das Wetter in Kroation zu Ferienbeginn eher regnerisch werden würde. Und wer mag schon Regen? Im Urlaub? Nachdem wir mit Big Ben so einen tollen Urlaub in Polen, der Slowakei und Tschechien erlebt hatten, wollten wir zwar eigentlich nochmal campen gehen, aber das Wetter hatte sich nunmal dagegen entschieden. 

Spontan wie wir sind, buchten wir daraufhin einen Flug nach Sardinien. Die Preise für den Flug waren günstig und die Wettervorhersage deutlich besser als für Kroatien.

Unseren Urlaub planten wir dann in den nächsten Tagen. Kaum zu glauben, dass wir die italienische Insel bisher nicht auf dem Schirm hatten. Dort gab es offenbar viel zu klettern und zu sehen. 

Nebida und der ruhige Südwesten

Wir flogen zum Flughafen Caliari und nahmen dort sowohl unseren Mietwagen als auch die Schlüssel zu unserer ersten Ferienwohnung in Empfang. Von hier aus fuhren wir nach Nebida, einem ehemaligen Bergarbeiterdorf und UNESCO Weltkulturerbe. Nebida liegt im südwesten von Sardinien und ist nicht sehr weit vom Flughafen entfernt.

Wir waren freudig überrascht, wie grün die Insel doch ist. Irgendwie hatten wir das nicht erwartet.

Schnell fanden wir unsere Ferienanlage, die sich farbenfroh an die felsige Küstenlinie schmiegt. Dies sollte also unser Basislager für die erste Woche werden. Der Fensterblick vom Esszimmer aus war schon mal atemberaubend und der Pool Tims erstes Highlight. Und auch sonst gefiel uns der Ort sehr gut. Das Nebida früher ein Bergarbeiterdorf war, erkennt man nur noch an wenigen Überbleibseln der Mine, wie etwa der ehemaligen Waschanlage, die man vom Aussichtspunkt vor unserer Ferienanlage sehen kann. Wir wissen nicht, wie es hier im Sommer ist, aber trotz idealem Wetter, 28 °C und Ferienzeit war hier in dem Ort nicht viel los.

Outdoorparadies Nebida

Hauptsächlich begegneten uns in Nebida Einheimische oder eben outdoorbegeisterte Touristen wie wir es auch sind. Kein Wunder, denn die Gegend eignet sich hervorragend. Viele Buchten und Strände laden zum Surfen, Kiten, Tauchen und Schwimmen ein. Auch Wanderwege gibt es einige und einige Rennradfahrer begegneten uns auf der kurvigen Küstenstraße. Für uns waren in erster Linie aber die unzähligen Sportklettergebiete interessant. Und natürlich das Meer. 

In den Klettergebieten waren wir meistens nahezu allein unterwegs. Und wenn wir doch mal Gesellschaft anderer Kletterer hatten, so war es stets eine überschaubare Menge. Die Kletterrouten waren ganz nach unserem Geschmack: perfekt mit Bohrhaken ausgestattet, die in den meisten Fällen frei von Rost waren. Wir besuchten einige verschiedene Gebiete und Sektoren im näheren Umkreis mit dem Mietwagen. Unser Kletterführer* hat uns hier gute Dienste geleistet und auch wenn die Anfahrtsbeschreibung manchmal etwas umständlich war, haben wir unser Ziel immer gefunden. Wir klettern meist bis 6a+. Aber auch schwieriger oder leichter konnte man hier gut auf seine Kosten kommen. 

Nach dem Klettern besuchten wir fast täglich verschiedene Buchten und Strände und gingen Schwimmen. Die moderaten Wellen machten uns am meisten Spaß, aber auch mit Quallen mussten wir uns an einem Tag herumschlagen. Das war dann weniger schön und verdarb uns ein wenig den Spaß an dem Wasser an diesem Tag. 

Pausetage vom Klettern

Wenn wir vom Klettern genug hatten, also nach spätestens zwei Tagen, musste ein Pausetag her. 

So besuchten wir in der Nähe von Buggerru ein Geisterdorf. Von dem alten Minenarbeiterdorf standen nur noch die Grundmauern der Häuser und die alten Minenschächte waren durch rostige Zäune abgesperrt. Zu gefährlich zum betreten. 

Trotzdem war es beeindruckend, wie die Natur sich zurückholt, was ihr von den Menschen abgenommen wurde. Die Häuser waren bereits soweit zerfallen, dass nur noch einzelne Mauern zu sehen waren. Überall auf dem Boden lagen alte Glas-, Porzellan und Fliesenreste. Büsche wucherten bereits überall. Nachdem die Mine geschlossen wurde, war es für die Menschen nicht mehr lohnend, weiter hier zu bleiben und so wurde das Dorf verlassen. Auf Sardinien gibt es übrigens mehrere Geisterdörfer.

Nachdem wir das Geisterdorf verlassen hatten, wurde es langsam warm und wir besuchten an der Costa Verde den Strand Piscinas. Das ist ein kilometerlanger Sandstrand, der von bis zu 60 Meter hohen Dünen umrahmt wird. 

Auf dem Weg dahin wird man in der Zeit zurückversetzt. Über eine staubige Schotterpiste fahren wir gefühlt eine Ewigkeit an alten Ruinen vorbei, die von dem einst blühenden Zeitalter des Bergbaus zeugten. Irgendwann wurde die Piste staubiger und sandiger, bis wir uns plötzlich zwischen teils grün bewachsenen Dünen und schließlich am Parkplatz des Strandes wiederfanden. Den Rest des Tages genossen wir die Sonne, das Meer und seine Wellen und einen ruhigen, wunderschönen Sandstrand. 

Auch an anderen Pausetagen erkundeten wir mit dem Mietwagen die Küste und fanden unzählige versteckte Buchten, genossen Spaziergänge in schönster Natur und die Ruhe am Pool oder an unserem Hausfelsen vor unserer Feriensiedlung. 

Cala Gonone – Ferienort aus dem Bilderbuch

Nach einer Woche in Nebida verließen wir das stille Fleckchen Erde und fuhren quer über Sardinien nach Cala Gonone. Dort befanden wir uns direkt in einer anderen Welt. Der Ferienort, der sich aus einem ehemaligen Fischerdorf entwickelte, blüht im Tourismus auf. Und auch wenn die Hauptsaison im Oktober schon vorbei war, herrschte hier durchaus noch etwas Trubel. Menschen saßen in den (Eis-)Cafés und Restaurants, die im Gegensatz zu den in Nebida alle noch offen hatten. Boote fuhren im Hafen ein und aus. Menschen schlenderten an den Stränden entlang.  Der kleine Strandabschnitt direkt am Hafen war trotz der vielen Kieselsteine immer recht gut besucht. 

Unsere Ferienwohnung lag ziemlich zentral in einer ruhigen Straße. Zu Fuß erreichten wir in wenigen Minuten die Strandpromenade, den Hafen, einige Restaurants und Eisdielen und einen Supermarkt. Trotzdem war in der Straße wenig los.

Was tut man denn da so?

Klettern! Cala Gonone hat einen eigenen Kletterführer, weil es so unglaublich viele Gebiete und Sektoren rund um den Ferienort gibt. Zu viel, um auch nur annähernd alle in einer Woche abklappern zu können. Es gibt Gebiete in einer Höhle direkt am Meer, Gebiete, zu denen man nur hinwandern oder mit dem Boot hinfahren kann, Gebiete auf einem Berg… nichts, was es nicht gibt. 

Natürlich waren wir in einigen Gebieten und haben uns an die Wände gewagt. Im Gegensatz zu den Klettergebieten rund um Nebida waren wir hier aber nur noch selten alleine. Von voll konnte aber auch keine Rede sein. 

Auch hier waren die Bohrhaken allesamt gut und die Wände griffig und nicht abgespeckt. Das hatten wir vor allem bei den Sektoren direkt in Dorgali nicht erwartet und waren positiv überrascht. 

Eine Seefahrt, die ist lustig – auch auf Sardinien

Und wenn man nicht klettert? Dann kann man sich hier im Hafen beispielsweise ein Boot ausleihen. Das geht bis 40 PS in Italien ohne Bootsführerschein und das Handling der dort angebotenen motorisierten Schlauchboote ist ziemlich einfach. Das haben wir an einem unserer Pausetage gemacht. Wichtig ist, dass man ein wenig auf das Wetter achtet und nicht zu viele Wellen hat. Wir haben unser Boot bei Skipper gemietet und waren begeistert, wie sich hier um die Kundschaft gekümmert wird.

Gleich am frühen Morgen ging es los. Wir steuerten zuerst die Bucht an, die am weitesten von unserem Ausgangspunkt entfernt lag. Das Boot ließ sich recht einfach bedienen und sogar Tim durfte und mal über das glasklare Wasser fahren.  Leider war die Bucht noch sehr schattig und es war uns zu kühl, um hier schon schwimmen zu gehen.

Im Verlauf des Vormittags wurde es aber wärmer und so wagten wir alle den Sprung ins Meer. Wir verbrachten einen schönen Tag mit dem Boot und nahmen sogar unsere Klettersachen mit. In der Bucht Cala Luna sollte man angeblich gut klettern können. Letztendlich haben wir es aber aufgrund des regen Kletterbetriebs am Felsen nicht gemacht und lieber die Sonne, den Strand und das Meer genossen. 

Cala Luna – wandern oder per Boot?

Neben einem Bootsauflug, wo man verschiedene Buchten anfahren kann, kann man auch mit dem Auto die Küste entlang fahren und an unzähligen Stränden unterschiedlichster Art schwimmen gehen und ausgedehnte Strandspaziergänge machen oder an der Küste bzw. im Landesinneren wandern gehen. Bei solchen Wanderungen konnten wir auch gleich unseren neuen (und tollen) Wanderrucksack* für Tagestouren ausprobieren. 

Eine wirklich schöne Wanderung haben wir von der Bucht Cala Fuili zur Bucht Cala Luna gemacht. Zwei Tage zuvor haben wir die schöne Bucht schon mal mit dem Boot besucht, das wir uns gemietet hatten. Weil uns die Bucht und die Küstenlinie gut gefallen hatte, hatten wir beschlossen, auch einmal von Cala Fuili dorthin zu wandern. Um zur Cala Luna zu kommen, gibt es auch nur diese beiden Möglichkeiten, denn keine Straße führt dorthin. 

Die komplette Wanderung von Cala Fuili zur Cala Luna waren bei uns mit Abstecher und Grotta de Bue Marino knapp 7 Kilometer Strecke mit ungefähr 330 Höhenmetern. Zuvor haben wir uns im Hafen auf Anraten von unserem Bootsverleiher ein Ticket gekauft, um mit einem Taxiboat von Cala Luna zurück zum Hafen zu fahren. Im Hafen kostet es nämlich nur 5 € pro Person, während das Bootsticket an der Cala Luna oft nur für 10 € pro Kopf angeboten wird. 

Wichtig ist, dass man weiß, worauf man sich bei der Wanderung einlässt. Zwar ist die Strecke nicht unglaublich weit, aber es gilt doch, einigermaßen unwegsames Gelände in Form von Steinen und Felsen zu überwinden. Nicht immer ist der Wanderweg leicht und Kinder benötigen hier vielleicht schon mal eine helfende Hand. Die Ausblicke auf das Meer, das immer wieder zwischen den Bäumen hervorlugt, und der abwechslungsreiche Weg machen die Wanderung kurzweilig und am Ende wartet ein kleiner Imbiss mit kühlen Getränken und verschiedenen Essensangeboten sowie die wunderschöne Bucht Cala Luna auf die Wandersleute.

Wer nicht zur Cala Luna wandern möchte und auch kein eigenes Boot mieten möchte, der kann auch einen Gruppen-Tagesausflug mit dem Boot buchen oder einfach mit dem Taxiboat hin und zurück fahren. 

Sardinien im Herbst – unser Fazit

Sardinien im Herbst kann wunderschön sein. Wir waren definitiv nicht das letzte mal hier und verstehen auch gar nicht, warum wir die italienische Insel bisher nicht auf dem Schirm hatten. Klettern, Wassersport (in einem recht warmen Meer) und Erholung auf einer Insel mit reizvoller Natur – einfacht traumhaft. 

Das Wetter war perfekt: nicht zu heiß zum klettern und nicht zu kalt zum schwimmen. Trotzdem muss man im Herbst auch mal mit einem Regentag rechnen. Auch die Flugzeit von rund 1,5 Stunden ist unschlagbar gut für ein solches Ziel.

Aber: wir wissen auch, dass es im Herbst auch anders sein kann. Bekannte haben hier auch schon eine Woche im Regen gesessen. Das sollte man bei aller Euphorie nicht vergessen und vor Buchung vielleicht mal die Großwetterlage checken. 

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