Klettergebiete in Andalusien (El Chorro, Mijas, Tarifa und Umgebung)

27El Chorro liegt in Spanien unweit von Málaga. Es gehört zu den bekanntesten Kletterzielen in Europa und ist als Winterklettergebiet sehr beliebt.

Um die Klettergebiete und -touren zu finden, halfen uns unsere beiden Kletterführer: Der El Chorro Kletterführer von Mark Glaister und der El Chorro Kletterführer von Javier Romero Rubiols. Hierzu sei allerdings gesagt, dass diese Kletterführer unsere einzige Möglichkeit waren, denn andere hatten wir zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt nicht gefunden. Leider sind beide Führer in spanisch und englisch, einzig die Einführung ist bei dem Kletterführer von Mark Glaister in deutsch. Dies machte auch die Wegfindung zu den Klettergebieten nicht immer einfach, da diese nicht nur in englisch, sondern manchmal auch etwas unglücklich beschrieben sind.

Valle de Abdalajis

Lage: Westlich des Ortes Valle de Abdalajis liegt dieses Klettergebiet, das wir gerade an den kühleren Tagen gerne besucht hatten. Eine kleine Straße führt in Richtung Westen aus dem Ort wieder heraus und unterhalb der unverkennbaren Felswände entlang. Nachdem man das Ort etwa 300 Meter hinter sich gelassen hat, kann man sich abseits der Fahrbahn einen Parkplatz suchen.
Zustieg: Zum Klettergebiet führen kleinere Trampelpfade. Man läuft so etwa 15 Minuten den Hügel hinauf. Hier sollte man an der kleinen Hundehütte aufpassen, die Hunde dort sind Besuchern gegenüber nicht besonders freundlich.
Kinder: Unweit des Wandfußes sind ziemlich viele Büsche, zwischen denen sich die eher kleinen Kinder schnell verlaufen können bzw. die Sicht zu den Anderen schnell verlieren können, wenn man zwischen den Sektoren wechselt. Nah am Wandfuß sind die freien Flächen aber größer als zwischen den Büschen und dort kann man das Kinder-Basecamp wunderbar aufschlagen. Die Steinschlaggefahr ist gering aber vorhanden.
Absicherung: Die Absicherung ist im Grunde gut und ausreichend. An der einen oder anderen wackeligen Stelle würde man sich einen weiteren Haken wünschen, aber mit etwas Geschick ist auch das gut schaffbar.
Beschreibung: Die plattigen Wände dort sind ganztägig in  der Sonne gelegen. Im Sommer ist es deshalb hier sicher deutlich zu heiß zum klettern. Im Herbst und Winter hingegen eignet sich dieses Gebiet hervorragend. Selbst an den kühleren Tagen ist es hier schön warm und wir konnten es im Dezember wunderbar im T-Shirt aushalten.
Zwischen den Einseillängentouren, die hier eingebohrt sind, finden sich hin und wieder auch Routen mit zwei Seillängen. Die Schwierigkeiten liegen hauptsächlich irgendwo zwischen dem 4. und 6. französischem Grad und sind eher technisch anspruchsvoll. Laut unserem Kletterführer sind hier ein paar Touren mit 35 Meter angegeben. Unser 70 Meter langes Seil war auch immer ausreichend außer in einer Tour, aber bei dieser war ein kleiner Felsblock leicht zu begehen, sodass auch das Ablassen kein Thema war, sondern eher für allgemeine Belustigung sorgte.

Escalera Arabe, Sektor Sergio

Lage: Dieses Gebiet liegt nordöstlich des Stausees. Sollte man hier klettern wollen, muss man Richtung Valle de Abdalajis fahren und kurz vor dem Klettergebiet Las Encantadas parken.
Zustieg: Dieses Klettergebiet setzt einen langen Fußmarsch bergauf voraus. Vom Parkplatz am Klettergebiet Las Encantadas geht man etwa eine halbe Stunde zu Fuß. Zuerst über einen großen Schotterweg bis unterhalb der Felswände. Von hier führen Trampelpfade zu den einzelnen Sektoren.
Kinder: Allein schon wegen des langen und anstrengenden Zustiegs ist das Klettergebiet wohl eher ungeeignet für Kinder. Auch am Wandfuß bietet sich für die Kinder wenig Möglichkeit, sich sicher aufzuhalten. Steinschlaggefahr war durchaus vorhanden und Platz zum spielen gibt es auch nicht wirklich, da es teilweise steil abwärts geht.
Absicherung: Die Absicherung ist sehr gut und die Abstände sind mehr als akzeptabel.
Beschreibung: Das Gebiet liegt sehr sonnig und ist deshalb ideal für den Winter. Außerdem hat man einen atemberaubenden Blick in das Tal und die Umgebung.
Man kann sich in diesem Sektor auf einige schöne, leichte Routen im vierten und fünften Grad freuen. Aber auch darüber, im sechsten französischen Grad, findet man schöne Routen. Die Bewertung ist fair und die Kletterei eher technisch.

Caliza

Lage: Dieser Sektor liegt genau an der Straße am Stausee
Zustieg: Parken. Aussteigen. Da.
Kinder: Der Sektor liegt genau an einer gut befahrenen Straße. Außerdem ist die Steinschlaggefahr recht hoch.
Absicherung: Ist ganz in Ordnung. Der eine oder andere Bolt könnte ausgetauscht werden
Beschreibung: Dieser Sektor ist schnell zu erreichen und eignet sich gut, wenn man einfach nur mal schnell ein bisschen klettern möchte. Aber nicht für mehr. Hauptsächlich sind hier Routen im französichen sechsten Grad. Der Fels ist bröselig und das klettern ist wenig erwähnenswert.

Túron West

Lage: Túron West liegt auf etwa einem Drittel des Weges zwischen den Ortschaften Ardales und El Burgo. Etwa 6,5 Kilometer hinter Ardales fürt rechts ein kleiner Weg zu einer Farm. Man sollte vor der kleinen Brücke parken und von hier aus zu Fuß weiter gehen.
Zustieg: Vom Parkplatz aus geht man über die kleine Brücke, hält sich rechts der ersten Farmgebäude und stößt so auf die Trampelpfade, die zum Klettergebiet führen. Diesen folgt man dann ein paar Minuten zu den Felsen. Da man über das Gelände der Farm stiefelt, sollte man sich wie ein Gast verhalten und entsprechend Rücksicht nehmen.
Kinder:  Im Großen und Ganzen kann man schon Kinder mit hier her bringen, aber Zustieg und auch einige Stellen am Wandfuß bedürfen besonderer Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Teilweise liegt viel Geröll herum und es geht steil bergab. Die Gefahr für die Kleinen, sich zu verletzen, sollte man nicht unterschätzen.
Absicherung: Die Abstände der Bolts sind in Ordnung, aber teilweise sind die vorhandenen Bolts rostig und weniger vertrauenerweckend.
Beschreibung: Das Gebiet liegt vom Vormittag bis in den Nachmittag hinein in der Sonne, was im Winter sehr angenehm ist.
Die Routen sind eher technisch anspruchsvoll und teilweise auch kraftraubend. Leichte Routen gibt es hier wenige, die meisten liegen etwa im Schwierigkeitsgrad 6b, 6c und 7a, wenige 5er und 6a Routen liegen dazwischen. Ein 60 Meter Seil sollte Minimum im Gepäck sein.

El Torcal

Lage: Die Klettergebiete in El Torcal liegen im gleichnamigen Naturschutzgebiet. Der Weg dahin wird bereits in Antequera ausgeschildert. Da El Torcal auf einer Höhe von über 1.000 Meter liegt, kann es hier durchaus im Herbst schon sehr ungemütlich und kalt sein.
Zustieg: Man kann nicht zu jeder Zeit mit dem eigenen Auto hoch in das Naturschutzgebiet zum Besucherzentrum fahren. Zu diesen Zeiten fährt jedoch ein Shuttlebus zum Besucherzentrum und zurück zum Parkplatz. Vom Besucherzentrum aus geht man in Richtung Aussichtsplattform. Von den Besucherwegen führt ein Weg in die skurrilen Felsen. Die Klettersektoren hier sind allerdings nicht einfach zu finden. Am besten fragt man vorher nochmal jemanden, der sich auskennt.
Kinder: Wir haben während unseres Beschuchs in diesem Gebiet nur einen Sektor angeschaut. Prinzipiell erforderte es schon ein bisschen Trittsicherheit, um unbeschadet dort anzukommen, wo man hin möchte. Zumal zwischen den Wegen große Spalten waren, in die ein Kind leicht hineinstürzen konnte. Kleinere Kinder sollten also gut beaufsichtigt werden auf dem Weg zum Klettersektor. Dort angekommen war das Geländer aber gut für Kinder geeignet.
Absicherung: Wir sind hier nur eine Route geklettert. Diese war einigermaßen gut abgesichert.
Beschreibung: Das Gebiet dort ist wunderschön und auch ohne zu klettern einen Besuch wert. Leider war das Wetter bei unserem Besuch nicht auf unserer Seite und somit konnten wir nach langem Suchen nur eine Route klettern, weil allen, die nicht gerade kletterten im Oktober der Hintern weggefroren ist.
Das Klettern selbst war etwas Gewöhnungsbedürftig und athletisch, aber schön. Die Abstände der Haken war in Ordnung und die Qualität der Haken war akzeptabel.

Mijas

Lage: Das Klettergebiet Mijas liegt mitten in der gleichnamigen Stadt, etwas südlich von Málaga. Parken kann man dort irgendwo in einer Einbahnstraße unweit der Stadtmitte .
Zustieg: Vom Parkplatz geht man in Richtung der Eselställe. Hier kommt man auch schon an den ersten Routen vorbei. Hinter den Eselställen gelangt man in die die schmale Schlucht, in der das eigentliche Klettergebiet liegt.
Kinder: Von dem vielen Taubendreck abgesehen, ist das Gebiet für Kinder relativ gut geeignet. Absturzgefahr besteht kaum, außer die Kinder gehen zu dicht an die Klippen hinter dem Eselstall.
Absicherung: Alle Routen dort sind gut abgesichert.
Beschreibung: Wenn man sich vor Taubenkacke an den Fingern und vielen neugierigen Zuschauern nicht scheut, ist Mijas ein ganz schönes Klettergebiet, das ziemlich regenarm ist. Nieselt es nur leicht, kann man zwischen den eng nebeneinander liegenden Wänden noch im trocken klettern. Die meisten Routen hier liegen irgendwo zwischen 6a und 6c, aber auch im Schwierigkeitsgrad darüber und darunter finden sich ein paar Routen.
Als störend empfanden wir bisher primär die vielen Tauben und deren klebrige Hinterlassenschaften. Oben in Höhe der Umlenker führt ein Weg vorbei, der durch die Fußgänger in Mijas recht hoch frequentiert ist und man somit eigentlich immer Beobachter hat. Uns hat dies jedoch noch nie gestört.
Da die meisten Routen dort laut Kletterführer eine Höhe von 26 Meter haben, ist ein 60-Meter Kletterseil ratsam.
Die Routen sind durchweg ziemlich anspruchsvoll und man weiß nie, ob in dem nächsten Loch, zu dem man greift, eine Taube wohnt. Man sollte sich also nicht erschrecken lassen und eher auf Nummer sicher klettern.

San Bartolo (Betis)

Lage: Das Klettergebiet San Bartolo liegt hinter dem kleinen Dörfchen Betis, etwa 11 km von Tarifa entfernt. Es gibt zwei gute Parkmöglichkeiten im Dorf, von wo aus die beiden etwas auseinanderliegen Kletterfelsen (Zona de Arriba und Tajo del Búho) per Schild ausgewiesen werden.
Zustieg: Vom Parkplatz kann man beide Felsriegel gut erkennen. Zu beiden Gebieten muss man zu Fuß etwa 15 Minuten gehen. Die Trampelpfade sind im Großen und Ganzen gut, aber hin und wieder verirrt sich eine Dornenranke auf den Weg, was besonders den Kindern etwas zu schaffen machte.
Kinder: Am Wandfuß ist viel Platz und das Gelände ist, von den Dornen mal abgesehen, ungefährlich. Eine kleine Höhle zwischen den Sektoren Mosaico und Arapiles bietet auch einen tollen Platz zum spielen für die Kinder
Absicherung: Alle Routen dort sind gut abgesichert und haben angenehme Hakenabstände
Beschreibung: Das Klettergebiet hat uns auf der Durchreise sehr gut gefallen. Hier klettert man in hervorragendem Sandstein, der besonders griffig ist. Die Wandhöhe reicht von kurzen Routen im Sektor Los Bordillos von etwa 13 Meter bis zu schönen langen Routen im Sektor Mosaico, der auch optisch einiges hergibt. Klettern kann man hier in nahezu allen Schwierigkeiten.
Die Bolts sind zu einem Teil neu gewesen, oft hat man aber auch rostige Bolts oder alte, rostige Umlenker zwischenrein. Hier schadet ein wenig Erfahrung mit solchen Situationen nicht, denn man muss aufpassen (die nähe zum Meer macht sich eben bemerkbar) und im Zweifel über die Nebenroute abseilen oder an einem bessern Bolt mittels Karabiner umlenken. Im Großen und Ganzen aber kein Problem.
Obwohl das Gebiet wohl eines der größeren Klettergebiete in der Gegend ist, war es zu der Zeit, als wir vor Ort waren (Okktober 2015 und Januar 2016) ziemlich ruhig und leer am Felsen. Ein echter Geheimtipp, wenn man für ein paar wenige Tage etwas zum klettern sucht.