Türkei April 2015

Hauptreiseziele: Antalya und Umgebung

Reisedauer: 9 Tage

Reisende: Eric, Claudia, Christa, Ronja (10 Jahre), Tim (4 Jahre)

An- und Abreise: Flugzeug

Reisemittel vor Ort: Mietwagen

Aktivitäten: klettern, spazieren, relaxen

Reisebericht: Die Beschleunigung drückte uns leicht in unsere Sitze. Endlich ging es wieder los – dem Frühling entgegen. In der Zeit vom 03.04.15 bis 12.04.15 entflohen wir dem deutschen Wetter in die etwas wärmeren Gefilde der Türkei. Unser eigentlicher Plan, mit dem Auto nach Finale Ligure in Italien zu fahren, scheiterte an den wechselhaften und zeitweise sogar kalten Wettervorhersagen für die zweite Osterferienwoche. Außerdem ging es auch an uns nicht spurlos vorüber, dass im größten türkischen Klettergebiet die Genehmigung für bergbaurechtliche Erkundungsbohrungen erteilt wurde. Sobald mit dem Bergbau begonnen wird, ist das Klettern ausgerechnet an den Hauptsektoren vorbei.
Also beschlossen wir kurzfristig, dass dies das Ziel unserer Reise sein sollte.

Gesagt, gebucht. Nichtmal eine Woche vor Abflug buchten wir eine Pauschalreise von Frankfurt nach Antalya in ein AI-Hotel. AI? All inklusive? Wir? Klar, auch das kommt mal vor.

Unser Flug startete recht spät am Karfreitag und mitten in der Nacht kamen wir in Antalya an, wo das erste Problem uns erwartete: Wir standen nicht auf der Liste für den gebuchten Transfer vom Flughafen ins Hotel. Nach einigen Telefonaten und längerer Wartezeit hatten die Mitarbeiter der Agency, die den Transfer übernehmen sollte, alles geklärt und wir wurden doch noch abgeholt und ins Porto Bello Hotel gebracht. Zeit, endlich halb tot ins Bett zu fallen.

Am nächsten Morgen inspizierten wir zuerst die Gegebenheiten im Hotel und waren erfreut: Es war sauber, hatte einen schönen Wellness- und Fitnessbereich und ein wirklich reich gedecktes Buffet. Das Wetter zeigte sich noch etwas kühl, sollte sich aber im Laufe des Tages noch ändern und für einen leichten Sonnenbrand auf Christas Schultern ausreichen.

Wir suchten gleich morgens, nachdem wir unseren Mietwagen in Empfang genommen hatten, das Klettercamp JoSiTo auf. JoSiTo steht für Jost, Siri und Tobi, die das Klettercamp gegründet haben. Dort erwarben wir auch gleich den Kletterführer für dieses Gebiet. Das Camp liegt umgeben von verschiedenen Sektoren mitten im Klettergebiet. Es ist nicht das einzige Camp in der Gegend, aber sicherlich das bekannteste. Es macht einen urgemütlichen Eindruck und bietet seinen Besuchern kleine Hütten als Unterkünfte und ein Gemeinschaftshaus. Zelten ist dort ebenfalls möglich. Zum Mittagessen kehrten wir dort auch zweimal ein und müssen bekennen, dass es wirklich sehr lecker war. Aber wir waren ja nicht dort, um die Unterkünfte zu bewundern und zu essen, sondern um zu klettern. Also suchten wir uns einen Sektor ganz in der Nähe und packten die Klettersachen aus. Das Auto ließen wir im Camp stehen, denn für den Zustieg in den ersten Sektor brauchten wir nur 5 Minuten.

Die Kletterei der folgenden Tage in diesem Teil des Geyikbayiri, den Ausläufern des Taurusgebirges, war einfach traumhaft. Die meisten Routen, in die wir eingestiegen sind, waren noch ziemlich griffig und die Absicherung war gut (angenehme Hakenabstände und neue Haken bzw. Umlenker). Sogar Ronja packte dort wieder die Kletterlust und kletterte an einigen Tagen fleißig mit uns drei „Alten“ mit.

Um etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen, haben wir auch das Klettergebiet in Olympos besucht. Das Klettern dort, auf der Flussseite direkt hinter Kadirs Treehouses war nicht so unser Fall. Die Bohrhaken waren zum Teil angerostet und nach dem kantigen und griffigen Fels oben im Geyikbayiri kam uns der Fels hier rutschig und glatt vor. Wahrscheinlich hätten wir das jedoch nicht so empfunden, hätten wir dieses Gebiet als erstes besucht. Doch wir hatten bereits zwei Klettertage hinter uns und beschlossen nach zwei nicht zufriedenstellenden Routen, einen Tag Kletterpause einzulegen und stattdessen die wirklich wunderschöne Umgebung von Olympos zu erkunden. Und das hatte sich gelohnt. Nicht nur, dass wir einen weiteren Klettersektor weiter unten Richtung Meer sahen, wir trafen per Zufall an diesem Tag gleich auf zwei maurische Landschildkröten. Diese sind in dieser Gegend zwar heimisch aber nicht mehr allzu oft anzutreffen. Einen Besuch sind auch die Kadirs Treehouses wert: Auf alt getrimmte „Bretterbuden“, die eine urige Pension darstellen – ganz im Stil der alten Piratenromantik. Für ein Naturschutzgebiet, wie es in Olympos der Fall ist, gibt es kaum eine passendere Unterkunftsmöglichkeit. Das Publikum hier besteht zum großen Teil aus Backpackern, die bunt gewürfelt aus aller Welt hier zusammentreffen.

Die nah gelegenen Ruinen von Olympos sind ebenfalls sehenswert. Die alte Bergstadt fiel Piraten zum Opfer, die sich dort einige Zeit einnisteten. Danach fand die Stadt nie mehr zu altem Glanz und verschwand schließlich ganz von der Bildfläche. Um dorthin zu gelangen muss man zwar einen Obulus für den Eintritt locker machen, doch es lohnt sich. Die Ruinen liegen zu beiden Seiten eines Bachlaufes verstreut und sind von der Natur längst wieder eingenommen worden. Der Hauptweg führt runter zum Meer, doch wagt man sich auf die kleinen angrenzenden Trampelpfade, fühlt man sich bald wie in einem alten Tomb Raider Spiel: Überall stehen verfallene Ruinen, umgeben von Bäumen, Sträuchern und kleinen Bachläufen. Um auf die große Ruine, die über dem Strand thront, zu gelangen, muss man den Berg hinauf über Stock und Stein gehen, was offenbar nicht jedem Touri dort leicht fiel. Klettern, erkunden und entdecken ist dort sehr erwünscht und macht den großen und den kleinen Besuchern viel Spaß.

Am Ostersonntag hatten die Kinder Besuch vom Osterhasen. Tim war fest überzeugt, dieser habe ebenfalls einen Flug in die Türkei gebucht und fahre nun mit dem Wohnmobil dort herum, um die Kinder aus Deutschland zu besuchen. Seine Annahme bestätigte sich, als nach dem Frühstück plötzlich für Ronja und Tim jeweils ein kleines Präsent im Hotelzimmer versteckt war.

An zwei weiteren Tagen zwang uns das Wetter durch starken Regen  dazu, auf Outdoor-Aktivitäten zu verzichten. An diesen Tagen beschlossen wir, der Stadt Antalya einen Besuch abzustatten und zwischen den Wolkenbrüchen etwas durch die Altstadt zu bummeln. Im Old Basar ließen wir uns auf den Handel ein und kauften etwas ein, probierten verschiedene Tees und erfreuten uns an den überdachten Shoppingmöglichkeiten, während mal wieder Regen und Hagel über uns herfielen. Viele der Händler sprechen ein ganz passables Deutsch und somit ist das Handeln ein Leichtes und hatte für uns immer eine humorvolle Seite. Einige Händler waren recht redefreudig und man konnte viel über Land und Leute erfahren. Erwähnenswert ist auch die „Regenschirmstraße“. Diese Straße wird von unzähligen Regenschirmen, die über die Straße gespannt wurden, geziert. Das Ganze wirkt irgendwie wie aus einem Kinderfilm und gibt dem ganzen Treiben dort ein ganz anderes Licht.

Auch wenn wir nicht die All Inclusive-Touristen schlechthin sind, ließen wir es uns im Hotel nach den erlebnisreichen Tagesaktivitäten immer richtig gut gehen. Wenn unsere Aktivitäten uns wegen schlechtem Wetter nicht auslasten konnten, besuchten wir den gut ausgestatteten Fitnessraum und ließen uns anschließen im Wellnessbereich nieder. Dort genossen wir das Schwimmbad, die Sauna und natürlich das Hamam (türkisches/arabisches Dampfbad). Besonders die Kinder hatten Spaß im Schwimmbad und weil April nicht unbedingt die Hauptsaison für Antalya ist, hatten sie oft das ganze Becken für sich allein.
An Claudias Geburtstag gönnten wir ihr natürlich auch ein besonderes Verwöhnpaket mit Massage und Co. Abends überraschte uns das Hotelpersonal mit Kuchen und Wein, der auf unserem Tisch im Zimmer platziert wurde. Schöne Geste!

Das Abendessen im Hotel war immer ein Highlight, denn das Buffet ließ wirklich keine Wünsche offen und war geschmacklich immer ein Genuss. Das Personal war aufmerksam und zuvorkommend, sodass man oft gar nicht das Gefühl hatte, in einem AI-Hotel zu sein. Dies führte allerdings dazu, dass die Hälfte der Familie jetzt nach dem Urlaub erstmal auf Diät ist 🙂

Leider sind neun Tage nicht wirklich viel und deshalb sollte es auch bald wieder zurück gehen. Leider gab es auch beim Thema Flughafentransfer und Bestätigung der Tickets wieder einige Verwirrungen. Wir hatten über Ferien Touristik gebucht, den Transfer übernahm jedoch eine andere Firma. Von dieser hörten wir allerdings genauso wenig wie von Ferien Touristik selbst. Und wieder waren einige Telefonate nötig, bis wir zumindest Gewissheit über unseren Transfer hatten. Buchungsbestätigungen über den Flug erhielten wir allerdings nie wirklich.  Letztendlich hatte doch alles geklappt und wir durften wie geplant nach Hause fliegen. Das hat uns wieder einmal gezeigt, dass man am besten die Buchungen und alles dazugehörige selbst in die Hand nimmt.

Fazit: Neun Tage sind wenig Zeit um dieses wunderbare Gebiet wirklich kennen zulernen, doch es hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Umgebung, die Natur und die Kletterei waren einfach wunderschön und die Menschen allesamt wirklich nett. Die Nachricht, dass das Bergbauprojekt nun doch nicht gestartet wird und das Klettergebiet erstmal Bestand haben wird, erfreute uns ebenfalls. Somit ist klar, dass wir in Zukunft auch die Türkei als potentielles Klettergebiet im Blickfeld behalten werden.
Das Hotel mit all seinen Annehmlichkeiten gefiel uns ebenfalls gut. Das Verhalten vieler anderer „Pauschalis“ weniger. Es war erschreckend zu sehen, wie sich viele Gäste die Teller voll schaufelten, um dann mehr als die Hälfte liegen zu lassen. Dieser verschwenderische Umgang mit Lebensmitelln ist einfach nicht unser Ding. Kaum auszumalen, wie viel Essen so in all den AI-Hotels sinnlos vernichtet wird, nur weil die Gäste den Hals nicht voll genug bekommen können. Auch die Flugzeiten der Pauschalreise waren für uns mit den Kindern etwas umständlich. Deshalb sind wir froh, dass unser neues Wohnmobil bald eintreffen wird und wir wenigstens über die warmen Monate wieder Herr über Reisezeiten und Lebensmittelwirtschaft sind.

zuhause ist, wo man sich wohlfühlt