Zebras in Südafrika

Südafrika März/April 2018

Tierisch gut – eine Reise in die grüne Seele Südafrikas

Aus den Nachrichten hörten wir überall von der andauernden Trockenheit, die in Südafrika um sich greift. In Kapstadt wurde sogar bereits das Wasser rationiert. War es wirklich so eine gute Idee, einen Flug nach Südafrika zu buchen? 

Gedanken wie diese gingen uns vor der Abreise durch den Kopf. Wir hatten bereits den Flug und den Mietwagen, einen Ford Ranger 4×4 mit Dachzelt und zusätzlichem Bodenzelt, für die Osterferien 2018 gebucht. Trotz den üblen Nachrichten aus Südafrika waren wir zuversichtlich, schließlich wollten wir nicht wie die meisten Touristen nach Kapstadt, sondern in den wesentlich feuchteren und wilderen Nordosten. 

Der Plan – mehr Planung geht auch kaum

Von überall hörten wir, dass in den Osterferien die Hauptsaison in Südafrika sei und man deshalb besser die Campingplätze vorbuchen sollte. Auch sprachen wir mit unseren südafrikanischen Bekannten Nicky und Pippa, die wir während unser Rumänienrundreise letztes Jahr kennen lernten. Sie empfahlen ebenfalls eine gute Reiseplanung und rieten, die Plätze im Voraus zu buchen. 

Nach einigen Überlegungen stand dann der feste Reiseplan.


 

Wir hatten uns also für fast jede Übernachtung abgesichert und vorgebucht. Sonst buchen wir ja nie vor und eigentlich widerstrebt es uns ein wenig, dies zu tun. Wo wir sonst das Bauchgefühl und das Wetter vor Ort entscheiden lassen, ob wir bleiben oder weiter ziehen, war diese Entscheidung nun aus über 8500 km Entfernung getroffen worden. Ob das gut geht?

Erstmal ankommen

Unser Flug mit der Ethiopian Airlines war überaus komfortabel und das Essen an Board richtig lecker. Dennoch kam der Zwischenstopp in der Äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba als Streckenteiler nicht ungelegen. So konnte man sich zwischen den beiden Flügen zumindest etwas die Füße vertreten. 

Überpünktlich landete unser Flieger am Morgen 45 Minuten früher als geplant in Johannesburg und kaum waren wir mit unserem Gepäck aus dem Securitybereich heraus gelaufen, wurden wir angesprochen. Ein Herr fragte uns, was wir denn suchen und wo wir hin wollten. Klar, als Weiße leuchteten wir in dem überwiegend von farbigen Menschen bewohntem Land wie Glühbirnen in der Dunkelheit. TOURI stand sozusagen direkt auf der Stirn – immerhin waren wir nicht mal von der Sonne gebräunt, sondern vom deutschen Winter ausgebleicht.

Auto gut, alles gut?

Nachdem uns der freundliche Herr am Flughafen erklärt hatte, wo wir unseren Mietwagenanbieter finden konnten, ging alles wieder ganz schnell. Unseren Mietwagen hatten wir über Autoeurope bei Avis gebucht. Wir wurden von einem Mitarbeiter am Flughafen abgeholt und zum Auto gebracht. Dort kümmerten wir uns um die Formalitäten und wurden kurz in die Eigenheiten des Campingaufbaus eingewiesen. Im Fahrzeug war alles gut geplant und verbaut. Eine riesige Kühlbox war dabei, Solar auf dem Dach, das Zelt hing oben außen am Fahrzeug. Wassertank, Besteck, Töpfe, Pfannen und eine Kochplatte waren auch dabei und eine riesige ausziehbare Schublade würde uns die nächsten zwei Wochen als Lebensmittelbox dienen. Alles in allem machte das Fahrzeug einen coolen Eindruck. Nicht mal unseren tollen FireQ-Grill, den wir aus Deutschland mitbrachten, hätten wir gebraucht, da auch hier nebem dem normalen Kochgeschirr ein kleiner Grill mit dabei war. 

Erste Stolpersteine

Wer mit einem 4×4 Fahrzeug Urlaub macht, der erwartet Steine. Dass sie aber abstrakter Natur sind, denkt ja keiner. Auf unserem ersten Campingplatz angekommen, erlebten wir das erste kleine Ärgernis: Das Bodenzelt und auch das Dachzelt waren gut durchfeuchtet, um nicht zu sagen nass. Und so rochen sie auch. Extrem muffig und gammlig. Das Bodenzelt war innen voller Schmutz und Erde.

Aber das war nicht das einzige Problem. Wir hatten kein fünftes Bett übrig. Im Dachzelt konnten zwei Personen gut schlafen, aber für eine dritte Person war dort kein Platz. Nicht einmal für Tim. Im Bodenzelt wäre quasi genügend Platz, aber es nicht genügend Isomatten. Nur zwei Feldbetten und zwei Isomatten. Wir hatten nicht mit den sperrigen Feldbetten gerechnet, zumal das Zelt in der Werbung als 3er Zelt ausgelegt war. Hätten wir noch eine weitere Isomatte, wäre das kein Problem gewesen, die Feldbetten weg zu lassen. Hatten wir aber nicht.

Also musste Tim so lange auf der Rückbank schlafen, bis wir eine weitere Isomatte gefunden hatten. Der muffige Geruch des Zeltes wurde auch weniger, je trockener das Zelt wurde. Langsam konnte also der Urlaub anfangen. 

Pilanesberg National Park – ein bisschen Zoo ein bisschen Safari Park

Nach unserer ersten Nacht packten wir am Morgen alles ein. Dieses Vorhaben erwies sich erstmal als ziemlich zeitraubend, da wir mehr in unser Dachzelt packen wollten, als rein passte. Christa machte dann ihr Morgenworkout, indem sie ständig das Dachzelt auf- und wieder zuklappte, bis endlich alles verstaut war.

Unser erster Park, den wir in Südafrika besuchten, war der Pilanesberg National Park. Er liegt etwas nordwestlich von Pretoria und Johannesburg und ist mit seinen 550 km² der viert größte Nationalpark des Landes. Der Park liegt in der Mitte eines alten Vulkankraters und bietet seinen Besuchern eine sehr reiche Anzahl an Tieren. Weit mehr als 7000 Tiere leben in diesem Gebiet. Die mehr als 300 Vogelarten nicht mit eingerichtet.

Man braucht bei der hohen Anzahl an Tieren im Pilanesberg National Park nicht lange zu suchen, bis man etwas zu sehen bekommt. Es war unglaublich, eine „Attraktion“ jagte die nächste. Fast wie im Zoo kamen wir uns vor, denn obwohl die Tiere sich frei auf der großen Fläche bewegen konnten, gab es nahezu immer etwas zu sehen. Nashörner und Elefanten mit Jungtieren, Antilopen, Zebras, Giraffen, Flusspferde… nur die Löwen wollten sich nicht zeigen.

Aber es waren auch viele Autos im Park unterwegs. Fast immer war jemand vor oder hinter uns. Vielleicht war das ja der Grund für den verärgerten Elefantenbullen, den wir sahen. Entweder das oder die Damen auf der anderen Wegseite hatten ihn abgewiesen. Jedenfalls machte der Elefant so viel Lärm und Ärger, dass wir doch lieber umdrehten und ihn seines Weges ziehen ließen, ohne an ihm vorbei zu fahren. 

Am Abend zog nochmals ein Gewitter auf und durchnässte uns zum zweiten Mal für diesen Tag. So langsam verstanden wir, warum das Zelt bei Übernahme so nass war.

Marakele National Park – Willkommen im Busch

Bei einem kurzen Zwischenstopp auf dem Weg zum Marakele National Park kauften wir noch ein paar Decken und zusätzliche Yogamatten, damit niemand mehr im Auto schlafen musste. 

Der Marakele National Park hat eine Fläche von ca. 670 km² und ist in zwei Bereiche aufgeteilt, die durch ein Tor voneinander getrennt sind. Unweit vom Haupteingang befindet sich das Bontle Rest Camp. Ein kleiner Campingplatz mitten im Park. Wir hatten nahezu freie Auswahl, denn auch hier war ziemlich tote Hose, was Camper betrifft. Etwas wunderten wir uns schon, denn dafür, dass ja Hauptsaison war und uns gesagt wurde, man müsse unbedingt vorbuchen, war es sehr leer. Aber das störte uns ja nicht. 

Als wir über den Platz liefen, mussten wir unweigerlich lachen. Am Rand des Platzes befand sich kein Zaun, sondern ein paar lose Pfosten und Schild: „Danger! No visitors beyond this point!“ (Gefahr! Keine Besucher hinter diesem Punkt) – Und was ist mit den Tieren? Steht auf der anderen Seite, dass sie nicht auf den Campingplatz dürfen? Offenbar nicht, denn nur kurze Zeit später hatten wir den ersten Besuch auf dem Platz: ein großer Strauß tat sich an den Brotkrümeln unserer Nachbarn gütlich.

Während der drei Tage auf dem Platz kam aber auch eine Warzenschweinfamilie immer wieder vorbei, um zu fressen. Und sobald es dunkel wurde, sammelten sich viele Impalas in der Mitte des Campingplatzes. Offensichtlich waren die Menschen für sie weniger Furcht einflößend als die Hyänen, die wir nachts hören konnten. Auch Affen, Schildkröten und sogar ein Breitmaulnashorn besuchten uns auf dem Platz, von den kleinen Zeitgenossen wie Vögel und Echsen mal abgesehen.  

Im Land der Zebras – Safari im Marakele

Während unserer Safaritouren sahen wir ebenfalls allerhand. Nicht so unglaublich viel wie im Pilanesberg National Park, aber dafür hatten wir zumindest Zeit Luft zu holen und das Gesehene zu verdauen. Hier konnten wir uns zwischendurch auch auf die kleinen Gesellen konzentrieren und auch mal einen Blick auf den Boden werfen und uns beispielsweise über die niedlichen kleinen Zwergmangusten und Pillendreher freuen. Raubkatzen blieben leider auch in diesem Park aus. Kein Leopard oder Löwe wollte sich uns zeigen. Dafür sahen wir Zebras, Zebras und nochmal Zebras. Sie standen auf der Straße, am Wegesrand und irgendwie waren die schwarz-weiß gestreiften Pferdchen immer in der Nähe. Wir sahen so viele, dass Ronja sogar schon von Zebras zu träumen anfing.

Wir erkundeten dort auch die luftigen Höhen und fuhren zum wohl spektakulärsten Aussichtspunkt in diesem Teil des Landes. Nicht nur, dass man einen atemberaubenden Blick auf die Weite des Landes hatte, man bekam so langsam ein Gefühl dafür, wie riesig hier alles ist. Unweit des Aussichtspunktes konnten wir Kapgeier in den Wolken kreisen sehen. Die seltenen und vom aussterben bedrohten Geier bilden hier die weltweit größte Kolonie in den Klippen des Parks. Schätzungen zufolge existieren nur noch etwa 800 Brutpaare weltweit. Hier haben sie einen geschützten Ort gefunden und können sich hoffentlich weiter vermehren. 

Vorbei am Blyde River Canyon nach Sabie

Nach ein paar aufregenden Tagen ließen wir den Marakele National Park hinter uns. Bevor wir aber das Tor passieren durften, wurde unser Kofferraum gecheckt. Schließlich gibt es im Park wertvolle Waren, wie beispielsweise Nashorn-Hörner. Dann ging es weiter in Richtung Sabie.

Unterwegs übernachteten wir im Ohrigstad Dam Nature Reserve. Der kleine Park beherbergt neben verschiedenen Antilopenarten und Vogelarten auch einige Flusspferde, die man im Stausee beobachten kann. Der kleine Campingplatz ist umzäunt und gemütlich, aber sehr einfach gehalten. Heißes Wasser gibt es wohl nicht immer (wir hatten keins) und auch Spülbecken sind hier Fehlanzeige. Dafür gibt eine wunderschöne Landschaft und herrliche Sonnenauf- und Untergänge zu sehen.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann weiter zum Blyde River Canyon. Der mehr als 26 Kilometer lange und 800 Meter tiefe Canyon ist der drittgrößte und der wohl grünste Canyon der Welt und ein echtes „must see“.

Sabie – Wasserfälle und Regengüsse

In Sabie hatten wir uns auf dem Sabie River Camp eingemietet. Im Gegensatz zu den Parks war dieser Campingplatz ziemlich voll. Uns kam die Stadtnähe aber gelegen, denn wir wollten mal etwas anderes als Safaris im Auto unternehmen und in den Parks darf man in der Regel nicht auf eigene Faust wandern gehen und benötigt hierzu meistens einen Ranger. Also sah der Plan vor, dass wir hier einen Reitausflug unternehmen und uns mit einer Wanderung ein paar der vielen Wasserfälle rund um Sabie ansehen.

Leider fielen aber die Wasserfälle wörtlich ins Wasser, denn am zweiten Tag stellte sich Regen ein. Den Ausritt bei Graskop konnten wir noch bei bestem Wetter genießen, aber am nächsten Tag sollte es ohne Unterbrechung regnen. Diesen Tag nutzten wir dann doch lieber für die Weiterfahrt zum Ithala Game Reserve, anstatt im Regen zu sitzen und auf besseres Wetter zu warten.

Ithala Game Reserve – 300 km² afrikanische Schönheit

Im Vorfeld lasen wir, dass das Ithala Game Reserve zu den schönsten Parks Südafrikas gehören soll. Dementsprechend waren unsere Erwartungen groß, als wir dort eintrafen. Und wir wurden nicht enttäuscht. 

Der Doornkraal Campingplatz liegt mitten im Park und man muss vom Tor aus ein ganzes Stück fahren, bis man ihn erreicht. Wer hier übernachtet, erlebt echtes Buschcamping und wahre Abgeschiedenheit. Trotz der Einfachheit des Platzes gab es nichts zu bemängeln. Es gab eine heiße und saubere Dusche (auch wenn sie kein Dach oder keine richtige Tür hatte) und zwei saubere Toiletten (mit Dach aber auch ohne Tür).

Die Abgeschiedenheit machte Eindruck – zumal wir nahezu alleine auf dem Platz waren. Genauso viel Eindruck machten auch die Elefanten, die keine 200 Meter von unsrem Campingplatz vorbei zogen. Aber nicht nur die Tierwelt beeindruckte, sondern auch die Landschaft, die doch sehr vielfältig und abwechslungsreich war. Von weiten Graslandschaften, über dichten Wald bis hin zu höherem Bergland mit Aussicht, Flussufern und kleineren Canyons war einfach alles auf der Parkfläche vertreten. Die unglaubliche Naturerfahrung konnten wir außerdem nahezu alleine genießen. Kaum ein anderes Auto fuhr über die groben Pisten. 

Wie klein der Mensch dann doch ist, zeigten uns nicht nur die gewaltigen Tierbegegnungen, sondern auch ein Gewitter, das uns für ein paar Stunden vom Rest der Welt abschnitt. Der Platzregen ließ den nahen Fluss so weit anschwellen, dass wir, bis alles Wasser am nächsten Morgen wieder abgeflossen war, gar nicht mehr zurück zum Ausgang des Parkes hätten fahren können.  

Das Ende der Reise

Nachdem unsere Tage in Südafrika fast gezählt waren, ging es für uns über eine scheinbar nicht enden wollende Hochebene zurück in Richtung Johannesburg.

Auf einem Campingplatz in Stadt- und Flughafennähe blieben wir die letzten beiden Nächte und freuten uns, zur Abwechslung mal einen Pool auf dem Platz zu haben. 

Am Abreisetag fuhren wir zurück zur Autovermietung und gaben unsere Ranger zurück. Alles lief unkompliziert und schnell waren wir wieder im Flieger nach Hause. Die Zeit in Südafrika war vorbei, hat aber tiefe Eindrücke hinterlassen.

Rückblick und Fazit

Der Urlaub in Südafrika war unglaublich beeindruckend und die Eindrücke mussten wir erstmal gründlich verarbeiten. Nicht alle Tage kommt man in den Genuss, Elefant und Nashorn aus nächster Nähe (und ohne Zaun) zu sehen. Einige Tierarten, die wir sehen durften, gibt es nur noch in begrenzter Anzahl und die Regierung in Südafrika tut viel für ihren Schutz – und das ist wichtig und gut.

In so einem großen Land und inmitten der großen Parks kommt man sich plötzlich sehr klein und unbedeutend vor. Man fühlt sich unweigerlich der Natur ausgeliefert und versteht, wie wundervoll sie ist. All die großen und kleinen Wunder, die wir erleben durften werden uns noch lange Zeit begleiten.

Auch sonst waren wir von den freundlichen und unaufdringlichen Menschen in Südafrika begeistert, auch wenn einem die noch immer ungerechte Rollen- und Vermögensverteilung von Schwarzen (80% der Einwohner) und Weißen (10% der Einwohner) ins Grübeln bringen kann. Das meiste Geld des Landes liegt bei den Weißen und das Land ist geprägt von Beispielen hierfür. Sei es der Weiße, der im Garten auf dem Liegestuhl liegt, während fünf Schwarze in seinem Dienste stehen und Kochen, Putzen und Rasen mähen oder die Tatsache, dass die meisten Managerjobs von Weißen durchgeführt werden, während die „Kleinarbeit“ vom Rest der Bevölkerung geleistet wird. 

Die Regierung versucht viel, um den Menschen Arbeit zu geben und selten haben wir so viele Straßenkehrer, Fensterputzer, Einkaufswageneinräumer und anderes Servicepersonal gesehen. Die Campingplätze waren stets supersauber und jedes Waschhaus war ausgestattet mit Toilettenpapier und Seife und wurde täglich gereinigt. Sogar die ortsfesten Grillschalen wurden täglich von Angestellten ausgekehrt. Da können sich einige Campingplätze in Europa eine Scheibe abschneiden. 

Zum Abschluss

Zum Abschluss kannst du dir hier nochmal alle Bilder am Stück ansehen. Wie hat dir der Bericht gefallen? Lass uns doch einen Kommentar hier.

Ein Gedanke zu „Südafrika März/April 2018“

  1. Bei diesen wundervollen Bildern und diesem lebendig geschilderten Bericht kann man nur beeindruckt sein. Und ein bisschen neidisch 😉

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