Laos Dezember 2014

Hauptreiseziele: Laos, danach Weiterfahrt nach Thailand

Reisedauer:  3 Wochen

Reisende: Eric, Claudia, Christa, Ronja (10 Jahre), Tim (4 Jahre)

An- und Abreise: Flugzeug, Bus, Tuk-Tuk

Reisemittel vor Ort: Tuk Tuk, Motorroller

Aktivitäten: klettern, Höhlenerkundung, Spaziergänge

Reisebericht: Endlich war es soweit, die lang ersehnte Reise nach Laos und Thailand stand bevor und wir standen am Abreisetag abends am Frankfurter Flughafen. Bepackt mit großen Wanderrucksäcken, kleinen Tagesrucksäcken und einem Rollkoffer wurden wir dank der Kinder bei den Kontrollen oft bevorzugt behandelt und waren schnell bis in den Flieger vorgedrungen. In den etwas mehr als drei Wochen wollten wir insgesamt drei Etappen abarbeiten: Zuerst sollte es nach Laos gehen und nach neun Tagen Kletterurlaub sollte es weiter nach Thailand auf die Inseln Koh Chang und Koh Kood gehen. Dort wollten wir uns von der Kletterei und dem Alltag in Deutschland ausgiebig erholen.

Wir flogen also nach Bangkok, übernachteten dort im Amari Don Muang Airport Hotel. Auch wenn Bangkok mit seinen über 8 Millionen Einwohnern als Großstadt zwischen Moderne und Tradition sicher sehenswert ist, flogen wir am nächsten Morgen schon wieder weiter nach Nakhon Phanom im Nordosten Thailands. Von dort aus fuhren wir mit dem internationalen Bus über den Mekong nach Thakhek in Laos. Der Flughafen in Nakhon Phanom ist unscheinbar und klein. Ein- und Aussteigen muss man direkt auf dem Rollfeld, das Flughafengebäude gleicht einer deutschen Lagerhalle und Flugverkehr gibt es hier nicht wirklich viel. Mit dem Trubel, den wir an den beiden Flughäfen in Bangkok erlebt hatten, hatte das hier so gar nichts gemeinsam und wir waren froh darum. Gerne hätten wir unsere Ankunft dort dokumentiert, doch bei einem Blick in unsere Rucksäcke stellten Eric und Claudia entsetzt fest: unsere Kamera war weg. Es erforderte ganze vier Telefonate mit unserem Hotel und viel Hilfe der dort angestellten Mitarbeiter, um dann erstaunt festzustellen: Die Kamera war doch im Rucksack – falscher Alarm. Doch die kleine Aktion zeigte uns wieder einmal, wie hilfsbereit und freundlich die Thais doch sind.

Da wir Laos primär zum Klettern besuchen wollten, war für uns von Anfang an klar, dass dort nur eine Unterkunft in Frage kam: Das Green Climbers Home etwa 12 Kilometer außerhalb der Stadt Thakhek in Zentral-Laos. Bereits bei der Ankunft waren wir fasziniert von der Umgebung und den freundlichen Menschen. Weniger begeistert waren wir vom Versagen des Geldautomaten am Busbahnhof. Obwohl der Tuk Tuk-Fahrer, der auf uns wartete, kaum Englisch sprach und offenbar nicht wirklich verstand, was wir sagten, begriff er nach unserer Hand-und-Fuß-Erklärung bald, dass wir kein Bargeld hatten. Er fuhr uns im Handumdrehen durch die halbe Stadt zur nächsten Bank. Dort bekamen wir auch endlich unsere laotischen KIP und fuhren dann aus der Stadt hinaus in Richtung Unterkunft. Die Straße führte vorbei an Bambushütten, Kühen und Ziegen, die überall an und auf den Straßen herumliefen, in das Gebirge hinein. Zur etwas späteren Mittagszeit war es in Thakhek zwar noch schön warm, doch sobald wir in die Schatten der Berge fuhren, wurde der Wind spürbar kälter. Wir bogen auf eine kleine Sandpiste ab, an deren Ende umgeben von kantigen Karstbergen und Dschungel die Bambushütten des Green Climbers Home auftauchten.

Aufgebaut ist die Kletterlodge optisch ähnlich wie ein kleines laotisches Dorf, bestehend aus zehn gleichen Bungalows, einem Langhaus, in dem man als Gruppe oder Einzelperson absteigen kann, einem Langhaus in dem die Mitarbeiter untergebracht sind und einem Gemeinschaftshaus in dem man sich in seiner freien Zeit und zum Essen aufhalten kann. Etwas weiter hinten, versteckt hinter den ersten Bäumen des Dschungels, gibt es auch Zelte, die gemietet werden können.

Empfangen wurden wir von einer deutschsprachigen Mitarbeiterin, die uns auch gleich eine erste Einweisung in die Lodge und deren Abläufe gab und – ganz wichtig – uns den Kletterführer und ein Stück des besten Erdnusskuchens der Welt verkaufte.

Die Bungalows sind eher spartanisch ausgestattet. Für das Kletterleben hier ist das, was man hat, aber mehr als ausreichend. Wenn man ehrlich ist, möchte man ja die Zeit am Fels verbringen und nicht im Bungalow. Und sollte man doch einmal eine Kletterpause einlegen, so kann man im Gemeinschaftshaus viele nette Leute aus aller Welt kennen lernen, ein Buch aus dem dortigen Bücherregal lesen oder sich die umliegende, facettenreiche Gegend ansehen. Gegessen wird natürlich auch im Gemeinschaftshaus – ausgesprochen gut, günstig und vor allem reichlich. Die Speisekarte ließ für uns keine Wünsche offen, denn von süßen Pancakes mit frischem Obst über asiatisches Essen bis hin zu besonderen Tagesangeboten wie Schnitzel mit Bratkartoffeln gab es hier nichts, was wir vermisst hätten. So ziemlich jedes Gericht gibt es entweder mit Fleisch (Hühnchen oder Schweinefleich) oder vegetarisch mit Tofu. Auch hier macht sich der Einfluss der französischen Kolonialzeit noch bemerkbar: Es gab unter anderem sehr leckeres, selbst gebackenes Baguette, dass man als Sandwich oder Knoblauchbaguette genießen oder zum Salat dazu bestellen konnte. Getränke kann man aus dem Kühlschrank nehmen oder seine Wasserflasche selbst nachfüllen. Die Abrechnung folgt dann mittels Eintragungen in dem entsprechend zugeordneten Buch. Klettern konnte man quasi direkt vom Camp aus, Zustiegszeit war also praktisch nicht vorhanden. Alles war perfekt.

Nach unserer ersten Nacht konnten es Eric und Christa nicht erwarten, Bekanntschaft mit dem laotischen Fels zu machen. Via Funk meldete sich irgendwann Ronja, Tim müsse sich ständig übergeben. Das kam wohl von der Aufregung der letzten Tage in Verbindung mit seinem noch immer starken Husten. Während sich Claudia und Ronja als Krankenschwestern um das Wohl des Jüngsten bemühten und ihm in der Hängematte eine Krankenstation errichteten, erkannten Eric und Christa, dass laotischer Fels einzigartig und eigensinnig ist: Packt man ihn zu hart an, tun einem dank des scharfkantigen Gesteins schnell die Finger weh. Verlässt man sich aber auf seine Füße und fasst behutsam zu, bedankt sich der Fels mit viel Grip und fantastischen 3D-Klettterrouten. Selbst Christa, die sonst eher der Vorstiegs-Angsthase ist, traute sich dank der erstklassigen Absicherung hier viel im Vorstieg. Die große Auswahl an Routen in allen erdenklichen Schwierigkeitsgraden und die perfekte Absicherung (kurze Hakenabstände, ziemlich neue Schlingen, mehrfach gesicherte Stände) können hier sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene und gute Kletterer voll auf ihre Kosten kommen. Claudia, die in den vergangenen sechs Monaten eine Sportpause einlegen musste, konnte hier dennoch die eine oder andere leichte Route erklimmen. Die einfachsten Routen, die wir gefunden hatten, bewegten sich im 4. und unteren 5. Schwierigkeitsgrad. Die schwierigsten Routen lagen weit abseits unseres Könnens im 8a  Grad aufwärts.

Dass das Green Climbers Home ausgebucht war, spürte man tagsüber kaum, denn auf über 270 Routen, davon einige erst kürzlich geschraubt, verlief sich der Trubel völlig und oft war man ganz allein in einem der vielen Sektoren. Erst am Abend, wenn die Luft von warmen 28 Grad auf ca. 15 Grad abkühlte und sich alle früher oder später beim Abendessen versammelten, bekam man die meisten Kletterer wieder zu Gesicht und das Gemeinschaftshaus füllte sich wieder mit Leben.

Laos gehört laut Statistiken zu den 30 ärmsten Ländern der Welt und das Pro-Kopf-Einkommen liegt hier kaum über 1.000 Dollar im Jahr. Und auch wenn wir nach Laos gekommen sind, um zu klettern, wollten wir natürlich auch das Land kennen lernen. Deshalb blieben wir nicht nur in der Lodge und am Fels, sondern machten einige große und kleine Ausflüge und viele Spaziergänge in die umliegende Gegend.
So wanderten wir an einem Tag durch die beeindruckende große Höhle, die direkt hinter dem Green Climbers Home am Fluss liegt (und dennoch zu den eher unspektakulären Höhlen in Laos gehört, was die Größe betrifft).
Im Dezember herrscht in Laos Trockenzeit und dies macht sich deutlich am Wasserstand der Flüsse bemerkbar. In der Höhle, die man sonst wohl eher durchschwimmen oder mit einem kleinen Boot durchqueren muss, bekamen wir zwar nasse Füße aber das schwimmen konnten wir uns sparen.
Höhlen sahen wir in den Tagen in Laos aber genügend, denn diese sind überall in den Karstbergen zu finden. Von klein bis groß, von trocken bis überschwemmt, es ist alles dabei.

Nachdem wir uns zwei Motorbikes in der Stadt ausgeliehen hatten, fuhren wir damit in die Außenbezirke der Stadt und folgten den Schildern zur Buddha-Höhle (Tham Nong Pha Fa). Auf den Sandpisten dorthin mussten wir nicht nur riesigen Schlaglöchern ausweichen, sondern auch mal dem einen oder anderen Schwein, dass unbeeindruckt von uns über den Weg spazierte.
Die Buddha-Höhle, die erst vor einigen Jahren wieder entdeckt wurde, ist eine der wenigen offiziellen Touristenattraktionen, die wir fanden und kostet Eintritt. Frauen müssen hier gegen eine Gebühr einen traditionellen Rock mieten, um die heilige Stätte zu betreten. Im Inneren der Höhle findet man etwa 200 Buddha-Statuen, teilweise vergoldet und teilweise auch aus massivem Gold. Laut Infotafel sind die Statuen in dieser Höhle bis zu 600 Jahre alt.
Eine weitere Höhle fanden wir nahe der Buddha-Höhle. Sie lag an einem wunderschönen See und war völlig überflutet, doch im glasklaren Wasser lag ein fahrtüchtiges Boot, mit dem Claudia und Ronja die Höhle ein wenig erkunden konnten. Paddel gab es zwar keine aber dafür einen langen Ast, der als Stechpaddel diente – bis das Wasser fast zu tief dazu wurde und die beiden wieder zur Umkehr zwangen.

Auch wenn die Höhlen, die Felsen und der Dschungel einen ganz besonderen Reiz auf uns ausübten, besuchten wir auch mehrmals die Stadt Thakhek. Dort konnten wir im Schatten alter Gebäude, die zum Teil noch aus der französischen Kolonialzeit stammen, durch die Straßen spazieren, einen Drink am Mekong einnehmen oder es uns bei der Massage gut gehen lassen. Sogar ein gutes Eiscafé fanden wir und ließen uns dort bei 29 Grad und Sonne am Heiligabend die Zeit mit Schokoladeneis und Milchshakes versüßen, bevor wir wieder in der Lodge einkehrten um am Abend mit den anderen Kletterern aus insgesamt 10 Nationen ein gemütliches Weihnachtsfest zu feiern.

Abschließend können wir nur sagen, dass wir trotz der Armut des Landes und seiner Einwohner nichts vermisst, sondern im Gegenteil viel gelernt haben. Wir werden mit Sicherheit irgendwann wieder etwas Zeit in Laos verbringen. Die Menschen dort sind äußerst nett, hilfsbereit und aufgeschlossen. Überall wurden wir mit einem fröhlichen „Sabaidii“ begrüßt. Hin und wieder kamen sogar Leute aus ihren Häusern geeilt, um uns zu sehen oder ein Foto mit unserem kleinen Blondschopf Tim zu machen. Landschaftlich hat Laos enorm viel zu bieten, denn ein riesiger Teil des Landes ist noch völlig ursprünglich und auch wenn wir oft im Dschungel die Motorsägen kreischen hörten und die Überreste von Urwaldriesen vorfanden ist doch ein Großteil des Landes noch von dichtem Dschungel bewachsen in dem Elefanten, Affen und viele andere Tiere ein Zuhause finden.
Green Discovery – eine Art Umwelt und Touristikbehörde – versucht dafür zu sorgen, dass der Tourismus in diesem Land gleich in die richtige Richtung zum Ökotourismus gelenkt wird und wir denken, dass dieses Vorhaben durchaus Zukunftsträchtig ist.
Uli und Tanja vom Green Climbers Home haben ebenfalls alles richtig gemacht. Es gab nichts, was wir uns hätten besser vorstellen können. Sie haben ein Auge auf die Umwelt, indem sie die Kletterlodge von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet haben. Die Gastfreundschaft ist kaum zu übertreffen und auch sonst passt einfach alles um eine familiäre und wohlige Stimmung unter den Kletterfelsen zu schaffen. Wir können also nur sagen, dass wir uns seit der Weiterreise nach Thailand schon wieder auf unser nächstes Mal in Laos freuen!

zuhause ist, wo man sich wohlfühlt