Beschreibung der Klettergebiete auf Gran Canaria

Im Herbst 2016 waren wir auf Gran Canaria, der drittgrößten Insel der Kanaren. Die Insel eignet sich gerade im Herbst besonders gut für einen Urlaub, denn dann ist es morgens und abends perfekt zum klettern und mittags warm genug, um einen Sprung ins Meer zu wagen. 

Inselreif – Klettergebiete auf Gran Canaria

Die Kanaren sind vor allem dann empfehlenswert, wenn im übrigen Europa das Wetter unbeständig und kühl ist. Sie sind nur einige Flugstunden vom Festland Europas entfernt (von Frankfurt sind es vier Stunden) und bieten doch deutlich besseres Wetter als es im Herbst und Winter in Deutschland der Fall ist.

Gran Canaria bietet viele schöne Strände und hat tolle Möglichkeiten zum Wandern und natürlich auch zum klettern. Im Bericht unserer Herbstreise könnt ihr noch mehr über die Insel und unseren Besuch dort erfahren. Hier möchten wir euch die Klettergebiete auf Gran Canaria vorstellen, die wir besucht haben.

Moya

Lage: Das Klettergebiet Moya liegt im Norden der Insel.  Über die Autobahn fährt man von Las Palmas auf der GC-2 in Richtung Gáldar/Agaete. Eine Ausfahrt beschildert bereits den Ortsnamen Moya. Diese Ausfahrt nehmen und anschließend folgt man der Beschilderung in Richtung El Hormiguero. An einer kleinen Brücke kann man unter dem großen Baum parken.
Zustieg: Vom Parkplatz aus folgt man dem Weg hoch zur Wasserrinne und geht dann an der Wasserrinne entlang. Der Weg unten in der Barranco ist sumpfig und nicht begehbar. Wenn man sich auf der Wasserrinne zu unsicher fühlt kann man auch nach dem Weg rechts suchen. Dieser umgeht vor allem die schwierigste Passage der Wasserrinne am großen, herausragenden Felsen vorbei. Diesen Weg erkennt man an den beiden Fixseilen, die man als Hilfe bei den beiden steilen Stücken des Weges zur Hilfe nehmen kann. Aber auch bei der Umgehung der Wasserrinne sollte man Vorsicht walten lassen, denn oben auf dem Hügel liegt viel loses Geröll, auf dem man schnell ausrutschen kann.
Kinder: In unserem Guide steht, dass es nicht empfohlen sei, mit Kindern in dieses Gebiet zu gehen. Das können wir auch nur so bestätigen. Obwohl unsere Kinder sehr trittsicher sind (Ronja war lange Zeit als Turnerin auf Balken unterwegs und auch Tim ist schon über die eine oder andere Wasserrinne balanciert) war es schwierig, sie heil bis ins Gebiet zu bringen. Beide Wege sind für kleine Kinder nicht alleine zu schaffen und auch mit Hilfe kann es schnell gefährlich werden. Möchte man die Kinder dennoch mitnehmen sollte man lieber selbst den Weg erst ablaufen um einzuschätzen, ob es machbar ist. Ist man aber erst einmal im Klettergebiet angekommen, gibt es keinen Grund mehr zur Sorge. Dort ist alles sicher und für die Kinder wiederum ein Paradies.
Absicherung: Moya liegt sehr nahe am Meer. Das macht sich durchaus bemerkbar. Zwar sind die Hakenabstände super, aber der eine oder andere rostige Bolt ist schon mal dabei. Auch war nicht jeder Umlenker so, dass man Grund hatte zu jubeln. Hier heißt es also: Augen auf!
Beschreibung: Wer in Moya klettert bekommt schnell das Gefühl in eine andere Welt eingetaucht zu sein. Hier ist alles grün und man muss sich zu den Sektoren regelrecht durchschlagen. Das geht auch nicht immer ohne nasse Füße zu bekommen, weshalb wir uns bei unserem eintägigen Besuch auf die vorderen Sektoren an der trockenen Wandseite gehalten haben.
Die Routen dort sind mäßig hoch und laut unserem Guide liegt der Großteil der Schwierigkeit im 6 Franzosengrad oder schwieriger. Mit einem 60 Meter langen Seil kommt man hier locker zurecht.

Tamadaba

Lage: Das Klettergebiet Tamadaba liegt im gleichnamigen Naturpark im Nordwesten der Insel. Mit dem Auto ist es zwar gut erreichbar, doch weit von allen touristischen Hauptzielen entfernt. Über kurvenreiche Bergstraßen geht es in Richtung Cruce Tejeda, Artenara und letztendlich Richtung Tamadaba. Man folgt den Schildern bis zum Campingplatz dort, an dem man auch parken kann. Das Klettergebiet ist nicht ganz einfach zu finden und wir waren um die Bildbeschreibungen in unserem Guide dankbar. Wir haben von Playa del Hombre bis Tamadaba etwa 1,5 Stunden benötigt. Magenverstimmungen der empfindlicheren Mitfahrer einge-schlossen.
Zustieg: Tamadaba ist ein riesiges Klettergebiet mit einigen verstreut liegenden Sektoren, die über Trampelpfade erreichbar sind. Im Grunde braucht man etwa 10 Minuten. Die Wege sind ganz gut begehbar, wenn auch an steileren Stellen durch die Piniennadeln etwas rutschig.
Kinder: An steileren Stellen sollte man aufgrund der großen Rutschgefahr die Kleinen an die Hand nehmen. Ansonsten können sie im flachen Gelände ab einem gewissen Alter und mit einer gewissen Trittfestigkeit auch alleine laufen. An den Wandfüßen der Sektoren ist oft nur sehr wenig Platz zum spielen, bevor es steil abwärts geht. Wir würden davon abraten, mit kleinen Kindern hinzugehen. Die heruntergefallenen Piniennadeln können sehr glatt werden und so eine große Gefahrenquelle darstellen. Sind die Kinder schon etwas älter und können das einschätzen, sollte man dieses tolle Gebiet aber auf jeden Fall besuchen.
Absicherung: Die Absicherung in diesem Gebiet war okay. Die Hakenabstände angenehm und die meisten Bolts in Ordnung. Die Umlenker waren meistens mit Ketten verbunden. Natürlich darf man nicht vergessen, dass man auf einer Insel ist und die salzhaltige Meeresluft auch hier die Bolts angreifen kann. Der eine oder andere rostige Bolt war also schon dabei, aber im Großen und Ganzen war die Absicherung okay. Wir haben definitiv auf Gran Canaria schlimmeres gesehen.
Beschreibung: Tamadaba war für uns mit Abstand das schönste Klettergebiet. Leider war es auch am weitesten von allem weg. Die Aussicht dort ist super und die Routen wirklich einzigartig schön. Auch die Auswahl an Sektoren und Routen ist hier am Größten. Wir waren völlig alleine dort am Felsen und die Ruhe war beeindruckend. Wahrlich ein Ort zum genießen und entspannen. Ein Seil mit 60 Meter im Gepäck reicht. Die Schwierigkeiten liegen zwischen dem 5 und 8b (frz.). Die meisten Routen liegen zwischen 6a und 7b. Bei insgesamt über 170 Routen findet aber jeder etwas für mindestens einen Tag zum klettern.

Quintanilla

Lage: Das Klettergebiet Quintanilla liegt im gleichnamigen Ort im Norden der Insel. Es liegt direkt neben der GC-2. Parken kann man auf einem großen freien Platz unterhalb der Felsen.
Zustieg: Vom Parkplatz aus kann man innerhalb weniger Meter direkt zu den Felsen gehen.
Kinder: Für Kinder ist es hier, von den Glasscherben auf dem Parkplatz abgesehen, sicher. Es gibt keine Abhänge, keine große Straße und viel Platz.
Absicherung: So sicher wie es hier für die Kinder ist, so unsicher ist es für die Kletterer. Der Meerblick mag zwar schön sein beim klettern, aber die rostigen Bolts machen das Ganze etwas weniger spaßig. Auch sind viele Felsen sehr bröselig und man weiß nie, wann man den nächsten Griff oder Tritt abbricht. Hier ist höchste Vorsicht beim klettern geboten. Wenigstens sind aber die Hakenabstände super.
Beschreibung: Sicher ist der Meerblick beim klettern besonders schön und auch die Parkmöglichkeiten und der Zustieg sprechen eher für das Klettergebiet. Trotzdem haben wir nach zwei Routen hier abgebrochen. Uns waren die Bolts eindeutig zu rostig und der Fels zu bröselig. Leider kam da beim Klettern kein Vertrauen zu beidem auf und minderte so stark das Sicherheitsgefühl. Wer trotzdem hier klettert, der ist mit einem 60 Meter langen Seil gut aufgehoben. Die Schwierigkeiten der 12 Routen liegen zwischen dem 5. und oberen 6. Schwierigkeitsgrad (frz.). 

Roque Nublo

Lage: Der Roque Nublo gilt als das Wahrzeichen Gran Canarias. Er befindet sich ziemlich in der Inselmitte und ist einer der höchsten Punkte der Insel. Die GC-600 führt an diesem Felsen vorbei. Der Weg dorthin ist außerdem gut ausgeschildert und an der Straße gibt es Parkplätze. Man sollte in jedem Fall früh dort sein, da hier viel Touristenverkehr ist und die Parkplätze begrenzt sind. Vorsicht bei Falschparkern: Die Polizei kontrolliert hin und wieder die parkenden Autos.
Zustieg: Der Zustieg zum Roque Nublo nimmt etwas Zeit in Anspruch. Mit etwa 30-40 Minuten sollte man rechnen. Der Weg ist allerdings leicht zu finden. Man muss nur den Touristenströmen folgen.
Kinder: Der Zustieg ist auch für Kinder leicht zu bewältigen. Es könnte höchstens etwas weit für die kurzen Kinderbeine sein. Auch ist zwischen den beiden Kletterfelsen, dem Roque Nublo und dem La Rana genügend Platz.
Absicherung: Die Absicherung konnten wir nur vom Boden aus in Augenschein nehmen, da wir hier nicht geklettert sind. Sie sah aber soweit wir das beurteilen konnten einigermaßen okay aus. Den einen oder anderen rostigen Bolt haben wir dennoch ausmachen können. Die Abstände zwischen den Bolts war aber dafür völlig in Ordnung.
Beschreibung: Leider waren wir an einem sehr feuchten und windigen Tag an diesem Felsen, der nicht nur unter Kletterern, sondern vor allem auch unter den „normalen“ Touristen bekannt ist. Das Wahrzeichen Gran Canarias hat an diesem Tag seinem Namen alle Ehre gemacht und sich in Wolken eingehüllt. Außerdem war es sehr, sehr feucht und windig, als wir dort waren. Deshalb hatten wir beschlossen, doch nicht dort zu klettern, obwohl wir das ganze Equipment durch die Touristenströme getragen hatten.
Insgesamt scheint der Fels dennoch ein paar schöne Kletterrouten bereit zu halten. Man sollte hier mit einem 70 Meter langen Seil auftauchen, wenn man die langen Routen am Roque Nublo klettern möchte. Auch sind vor allem die Routen am Roque Nublo bis auf eine Ausnahme clean – also ohne Bolts. Lediglich die Routen nebenan an La Rana sind voll mit Bolts ausgestattet. Genügend Material zum selbst absichern sollte man also schon in der Tasche haben.

Sorrueda

Lage: Das Gebiet Sorrueda liegt eher im Süden und ist das zweitgrößte Gebiet der Insel. Von der Autobahn GC-1 nimmt man die Abfahrt nach El Doctoral bzw. Vecindario und folgt der GC-65 in Richtung Lucía. Nach 15 Kilometern folgt man der Beschilderung nach La Sorrueda. Am Ende der Straße des kleinen Dörfchens kann man parken.
Zustieg: Vom Parkplatz benötigt man etwa eine viertel Stunde in das Klettergebiet. Man folgt dazu einfach dem Weg (rechts halten) in die Barranco.
Kinder: Das Klettergebiet ist hervorragend für Kinder geeignet. Da es sich in einer Barranco befindet, herrscht nur an wenigen Stellen eine Absturzgefahr (etwa am Sektor Techo). Meistens aber können sie an einem sicheren Punkt ihr Basecamp aufschlagen. Vorallem die Umgebung lädt zum Spielen und erkunden ein und größere und kleiner Kinder können hier in ihrer eigenen Welt versinken.
Absicherung: Die Absicherung war im Großen und Ganzen gut. Es gab nur wenige rostige Bolts. Meist waren die Umlenker mit einer Kette verbunden und zumindest einer der beiden Bolts sah dort ziemlich vertrauenerweckend aus. Auch die Abstände waren uns nur in wenigen Ausnahmen mal zu weit um ein gutes Gefühl zu haben. Im etwas abgelegenen und schwieriger zu erreichenden Sektor Segundo Anden war der Umlenker komplett weg. Generell ist dieser Sektor aber auch weder sehens- noch kletternswert.
Beschreibung: Sorrueda ist ein schönes Klettergebiet. Das zweitgrößte und -schönste der Insel. Es ist sowohl landschaftlich als auch zum Klettern komplett anders als Tamadaba. Man findet hier etwa 110 Routen. Kletterer, die in den 6. und 7. französischen Schwierigkeitsgraden unterwegs sind, kommen hier voll auf ihre Kosten. Wir waren zwei Tage hier klettern und haben hauptsächlich die Schwierigkeiten 5, 6a und 6a+ abgegrast. Ein 60m Seil ist für dieses Gebiet ausreichend.

Fataga

Lage: Das Klettergebiet liegt in der Nähe des gleichnamigen Ortes. Man erreicht den Parkplatz über die GC-60. Der Parkplatz ist direkt an der Straße, aber wenn man nicht aufpasst, ist man schnell daran vorbeigefahren, da der Staudamm, über den man das Gebiet erreicht, von der Straße aus nicht richtig sichtbar ist.
Zustieg: Vom Parkplatz folgt man dem Weg zum Staudamm, geht über diesen hinweg und folgt der Treppe am Staudamm runter. Dann befinden sich die Sektoren entlang der Wasserrinne.
Kinder: Mit Kindern ist weder der Zustieg noch der Aufenthalt dort problematisch. Die Wege sind einfach begehbar und es herrscht keine Absturzgefahrn.
Absicherung: Wir sind dort nicht zum klettern gewesen, sondern haben uns nur umgesehen. Auf den ersten Blick haben wir aber viele rostige Bolts gefunden, die uns wenig Mut für die doch teilweise schweren Routen gemacht haben.
Beschreibung: Fataga hat eine schöne Atmosphäre. Das war es für uns aber auch schon. Da wir draußen in unbekanntem Gebiet lieber nur bis 6a+ klettern und es in diesem Gebiet nur wenige Routen in diesem Bereich gibt, sind wir schon mit einem Fragezeichen und ohne Kletterausrüstung zum erkunden des Gebietes gekommen. Die meisten Routen sind schwerer als 6a und viele Bolts waren zudem rostig. Deshalb haben wir uns entschlossen, hier nicht klettern zu gehen.
UPDATE 15.05.15
Wie ein User in den Kommentaren geschrieben hat, ist der Zustieg über den Staudamm aktuell aufgrund des Zustandes gesperrt. Wer diesbezüglich neue Infos hat, kann diese gerne in den Kommentaren posten oder mich direkt benachrichtigen. Vielen Dank dafür.

2 Gedanken zu „Beschreibung der Klettergebiete auf Gran Canaria“

  1. Ich war diesen März dort. Der Zustieg nach Fataga über die Treppe am Staudamm ist inzwischen abgesperrt – wie ihr ja selber schreibt ist die Treppe in abenteuerlichem Zustand. Man konnte allerdings über die Absperrung drüberklettern (interessante Piaz-Kletterei 😉 ). Der andere Weg zum unteren Teil soll mit normalen Autos schwierig sein weil die Schotterpiste in keinem guten Zustand ist.
    Ich stimme mit Euch überein, daß La Sorrueda deutlich attraktiver ist als Fataga.

    1. Vielen Dank für die Info. Die anderen User werden sich über dein Update freuen. Ich werde einen entsprechenden Hinweis im Beitrag hinzufügen.

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